Heimatverein "Alter Krug" Zossen e.V.

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Schulmuseum – Forschung

Conrector Fischer

2011-03-12 Schreiben lernen, aber wie? Der Conrector der Stadtschule von Zossen schreibt 1868 dazu eine Aufsatzlehre Für alle Lehrer und Schüler, die nach Rat beim Lehren und Lernen von Rechtschreibung und Grammatik suchen, birgt das Schulmuseum in Zossen einen Schatz. Der aus Wendisch Buchholz, heute Märkisch Buchholz, stammende Ferdinand Ludwig Fischer verfasste 1868 eine Aufsatzlehre für Volksschulen. Am 27. Und 28. März 1833 hatte Fischer seine Prüfung im Schullehrerseminar zu Potsdam abgelegt und wurde für anstellungsfähig im Volksschulamte erklärt. 46 Jahre unterrichtete Fischer an der Schule neben der heutigen Stadtbibliothek, davon 42 Jahre als Conrector (stellvertretender Leiter). Mit dem Leben und Werk des Ferdinand Ludwig Fischer hat sich sehr eingehend die Leiterin des Schulmuseums, Gudrun Haase, selbst ehemalige Lehrerin in Zossen, befasst. Über einen Hinweis gerade auf dieses Buch: „Aufsatzlehre für Volksschulen“ ist sie auf Fischer aufmerksam geworden. Eine Schulchronik existierte nicht mehr, aber im Brandenburgischen Hauptarchiv wurde sie dann fündig. Wesentliche Erkenntnisse ihrer Recherchen hat sie im Heimatjahrbuch Teltow-Fläming 2010 veröffentlicht. Ein Stück Kulturgeschichte unserer Stadt wurde so neu geschrieben. Als ehemalige Lehrerin weiß sie natürlich um die Sorgen und Nöte der Lehrer und Schüler im Umgang mit Rechtschreibung und Grammatik. Jeden, der mit dem geschriebenen Wort, ob als Leser oder Schreiber, bewusst umgeht, wird diese Aufsatzlehre von 1868 irgendwie faszinieren. Wie der bewusste Umgang mit dem geschriebenen Wort schrittweise, und ohne Schrecken vor Rechtschreibung und Grammatik für die Schüler, gelehrt werden soll, beschreibt Fischer in dieser Anleitung für Lehrer. So empfiehlt er für die Korrektur von Schülerarbeiten ohne Textvergleichsmöglichkeiten: „Die orthographischen Fehler sind zu unterstreichen und von den Kindern zu berichtigen, wohingegen die falschen Ausdrücke und Wendungen vom Lehrer selbst in die Arbeit geschrieben werden müssen.“ (S. 13) Bis heute hat sich daran fast nichts geändert. Großeltern, Eltern und heutige Schüler kennen diese Unterstreichungen der Lehrer. Nicht selten fiel die Berichtigung genau so lang aus, wie die Nacherzählung oder der Aufsatz selbst, weil die Wörter drei Mal richtig geschrieben werden sollten. Das Hineinschreiben der richtigen Ausdrücke und Wendungen sparen sich heute die meisten Lehrer. Ein rotes „A“ am Seitenrand tut es auch. Die meisten Schüler, gestern wie heute, konnten bald die Wörter richtig schreiben, aber da ist ja noch der nächste Fallstrick, die Zeichensetzung. „In der ersten Zeit“, wenn Schüler beginnen, Nacherzählungen zu schreiben, „wird dies allerdings seine Schwierigkeiten haben, nach und nach gewöhnen sich aber die Kinder daran und eignen sich auf diese Weise die richtige Setzung der Zeichen schon durch das Gefühl an.“ (S 13) Wer kennt nicht die Satzanalysen verschachtelter Sätze, in denen schon Subjekt und Prädikat schwer zu finden sind. Für ein derartiges Zerlegen der Sätze reicht aber die Zeit der Unterrichtsstunde beim Aufsatzschreiben nicht aus, also Zeichensetzung nach Gefühl. Wer aber der Zeichensetzung nicht den genügenden Raum in seinem Gefühlsleben einräumt, hat auch so seine Sorgen damit. So kommt es, dass die die Zeichen oft nach Gutdünken gesetzt werden. Vielleicht hätte Ferdinand Ludwig Fischer dies, in unserer schnelllebigen Zeit, auch gelten lassen. Artikel von Gudrun Haase im Heimatjahrbuch Teltow-Fläming 2010 Text und Fotos: Dr. Rainer Reinecke zurück zu Schulmusueum Forschung

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Superintendent Bauer reformierte das Zossener Schulwesen

2011-03-24 Bestickte Brotbeutel stammen noch von den Großeltern Superintendent Bauer - von 1795 bis 1809 auch als Schulinspektor in Zossen tätig - stellte einst die beklagenswerten Zustände des Zossener Schulwesens fest. Aber er beließ es nicht bei der Kritik, sondern führte selbst zahlreiche Veränderungen ein. Es gab damals nur zwei Klassen - eine für Knaben, eine für Mädchen - für fast 300 schulpflichtige Kinder, von denen nur etwa ein Drittel die Schule regelmäßig im Sommer und im Winter besuchte. Bauer führte eine Elementarklasse ein für die Lernanfänger. Diese unterrichtete der Küster in einem Raum, der eigentlich die Wohnung des zweiten Lehrers war und von diesem nicht benötigt wurde, da seine Familie in einem eigenen Haus in Zossen wohnte. In diesem Raum unterrichtete Bauers Ehefrau seit 1797 eine beträchtliche Anzahl von Mädchen und auch Jungen in vielfältigen handwerklichen Tätigkeiten: Hecheln (der letzte Arbeitsgang, um aus der Flachspflanze Leinenfasern zu gewinnen), Garnspinnen, Zwirnen, Nähen, Wäschezeichnen, Stricken und Klöppeln. Auch Kochen, Waschen, Plätten und Gartenarbeit wurden in ihrem Hause gelehrt. Um die sehr beengten und baufälligen Schulräume zu verbessern, richtete Bauer wiederholt Gesuche und Bitten an die Königliche Regierung in Potsdam zur Bereitstellung von Mitteln. Das wurde 1804 von Erfolg gekrönt durch eine Schenkung von 4000 Thalern für einen Schulneubau, wo auch die von ihm gegründete Arbeitsschule ihr Domizil erhalten sollte. Auch die Königliche Regierung hatte den Gedanken des Unterrichts in praktischen Tätigkeiten aufgegriffen und stellte im Jahre 1800 eintausend Taler für „Die Errichtung von Industrieschulen auf dem flachen Lande" zur Verfügung. Bauer kämpfte darum, etwas von diesen Mitteln für Zossen zu erhalten. Er übersandte am 18. Februar 1800 dem Magistrat von Zossen ein „Gutachten über die Errichtung einer Industrieschule zu Zossen beim Mangel allen Landes". Darin stellte er fest: „ Zossen schickt sich zur Industrieschule, denn alles, was dazu erfordert wird, sogar schon eine kleine Arbeitsschule mit 15 Wäschezeichnerinnen und 25 Mädchen, welche nähen und stricken, unter der Anleitung einer besonders geschickten Lehrerin, die 10 Thaler jährlich Gehalt bekommt, findet sich hier. . . ". „Die Stadt Zossen kann bei der völligen Erschöpfung ihrer Kassen, und bei der großen Armut ihrer allermeisten Einwohner fast gar nichts zur Anlegung und Erhaltung einer Industrieschule beitragen, darf aber deswegen nicht alle Hoffnung aufgeben." Beim Begriff Industrie liegt nahe, zunächst an große Fabriken mit Maschinen und rauchenden Schornsteinen zu denken. Nein, hier sollte nur der von Bauer bereits zuvor begonnene Unterricht in Handarbeiten fortgesetzt werden, wobei der Verkauf der Produkte den Kindern einen kleinen Geldbetrag einbrachte und sie von jedem verdienten Silbergroschen drei Pfennige für den Erhalt der Anstalt abgaben. 1828 berichtete Oberprediger Schale, der als Leiter der Industrieschule das Werk Bauers fortsetzte, dass die Einnahmen drastisch zurückgegangen seien. Er konstatierte dann aber doch: „Der Hauptzweck der Anstalt wird indes erreicht, denn viele Kinder werden unterrichtet und nützlich beschäftigt, und haben noch dazu Gelegenheit, dadurch etwas zu verdienen, was hier sehr dankbar anerkannt wird." Der Gedanke der Industrieschule lebte dann im Handarbeits- und Werkunterricht an den Schulen fort. Die Geschichte von der Bauerschen Reform bis zu kreativen Unterrichtsformen in der Gegenwart zeigt die derzeitige Sonderausstellung im Schulmuseum Zossen. Neben Arbeiten aus dem Werkunterricht - Nussknacker, Stiefelknechte, Vogelhäuschen - erzählen auch solche Handarbeiten wie zwei bestickte Brotbeutel und ein Strickhemd, beigesteuert von Brigitte Klein, ihre Geschichten. Die bestickten Brotbeutel stammen noch von ihren Großeltern, einem eingesessenen Zossener Geschlecht. Das Strickhemd strickte ihre Mutter 1946 aus der Not heraus aus Stopftwist. Beides, die Stickereien auf dem Brotbeutel und das feinmaschig gestrickte Hemd, zeugen von guter alter Schule. Brigitte Klein: „Ich habe das Strickzeug oft in die Ecke geschmissen, weil das mit den Maschen nicht so klappte, wie es sollte." Jedoch beherrscht sie heute noch die Handstrickkunst. Gelernt ist gelernt, wenn auch oft unter Wut und Tränen. Auf fünf Papierstreifen, die beim Ausbau des alten Schulgebäudes oberhalb der Haustür in einer eingemauerten Flasche gefunden wurden, wird berichtet, dass der Bau der Schule zwar 1806 begonnen, aber durch den Krieg unterbrochen wurde. Erst 1815 veranlasste die königliche Regierung den Weiterbau. Superintendent Bauer erlebte die Einweihung der von ihm erstrittenen Schule nicht mehr. Er verstarb im Jahr 1809. Eine Gedenktafel an der ehemaligen Schule sollte künftig an seine Leistung erinnern. Text nach Forschungsergebnissen der Mitarbeiterinnen des Schulmuseums. Text und Fotos: Dr. Rainer Reinecke zurück zu Schulmuseum Forschung

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Das Pädagogium in Zossen

2013-05-25 Gudrun Haase Zu Ostern 1900 wurde erstmalig eine private höhere Schule für Knaben, auch mit Internat, eröffnet. Solche Einrichtungen nannte man Pädagogium. Sie stand unter der Leitung von Dr. Berthold Reiprich, der sie bis 1911 führte. Die Schule war in einem Wohnhaus, Am Kietz Nr.26, untergebracht. Der Schulinspektor wies wiederholt den Magistrat der Stadt auf die Unzulänglichkeit der in einem Privathause gemieteten Räume hin. Gatadelt wurde vor allem der für eine Schule mit 80 bis 100 Kindern unzureichende steile Treppenaufgang, die Abortanlage, der Zustand des zu gewerblichen Zwecken dienenden Hofes und das völlige Fehlen eines Schulplatzes. Die Unterrichtserlaubnis sollte zum 1. April 1910 zurückgezogen werden. Da man aber in Zossen nicht mehr auf eine höhere Knabenschule verzichten wollte, kaufte die Stadt die Villa in der Bahnhofsstraße 18 für 45.000 RM, die 1898 von dem berühmten Architekten Messel erbaut worden war und deren Besitzer sie krankheitshalber verkaufen mußten. Am Ende des großen Gartengeländes ließ die Stadt für einen Preis von 25.000 RM ein Schulhaus mit 4 Klassenräumen errichten. Am 27. März 1911 erhielt der Gymnasiallehrer Christian Thiede die widerrufliche Erlaubnis zur Fortführung der höheren Knabenschule. Er leitete sie ebenfalls 11 Jahre und gab sie dann aus Altersgründen auf.. Der Leiter hatte eine jährliche Miete von 1000 RM an die Stadt zu zahlen. 1922 übernahm Freiherr Dr. Kurt von Lützow die Schule, baute sie weiter aus, kaufte sie schließlich von der Stadt mit einem hohen Kredit und führte sie bis 1935. Dann nahm die Stadt das Gebäude zurück, um eine öffentliche Schule zu errichten, die dann später bis zum Abitur führte. Hier gab es dann kein Internat mehr, dafür ständig steigende Schülerzahlen durch die Ansiedlung in Wünsdorf. Aus der Zeit des Pädagogiums unter der Leitung von Freiherrn Dr. Kurt von Lützow liegen viele Materialien im Schulmuseum vor, so mehrere Werbebroschüren, ein sehr interessanter Erlebnisbericht von Peter Karl Bock über seine Internatsjahre und das von Prof. Peter Dudek 2012 herausgegebene Buch "Liebevolle Züchtigung - Ein Mißbrauch der Autorität im Namen der Reformpädagogik". Hier werden Hintergründe eines Prozesses gegen den Frhr. Dr. Kurt von Lützow in den Jahren 1924-26 dargestellt. Der Prozeß endete mit einem Freispruch. zurück zu Schulmuseum Forschung

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2010-12-10 Knabenschule in Zossen

Nachdem 1883 der Versuch von Bürgermeister Regener, eine private Knabenschule zu gründen, gescheitert war, wurde erst 1899 in diesem Hause ein sogenanntes Pädagogium mit Internat durch den pensionierten Gymnasiallehrer Dr. Reiprich gegründet. Das triste Dasein der großen Dichter und Denker in Zossen würde dem Umfeld der nicht gerade lernfreudigen Knaben im Jahre 1909 entsprechen. In der „Vorlage, betreffs des Ankaufs des früher Steffeck’schen Grundstücks für Zwecke der höheren Schule“ für den Magistrat von Zossen im Juni 1909 wird die Situation so beschrieben: „Seit dem nunmehr 10jährigen Bestehen der hiesigen höheren Privatknabenschule ist bei jeder Revision durch den Herrn Regierungsschulrat der Magistrat auf die Unzulänglichkeit der in einem Privathause gemieteten Räume hingewiesen worden. Getadelt wurde vor allem der für eine Schule mit 80 – 100 Kindern unzureichende steile Treppenaufgang, die Abortanlage, der Zustand des zu gewerblichen Zwecken dienenden Hofes und das völlige Fehlen eines Schulplatzes.“ Die Schlussfolgerung in der Vorlage für den Magistrat 1909: Angesichts der festgestellten Zustände seien die städtischen Behörden gezwungen, „Sich schleunigst mit der Beantwortung folgender Fragen zu beschäftigen: Hat die Stadt Interesse am Bestehen einer höheren Knabenschule? Falls die erste Frage bejaht wird: Wie ist dies Bestehen zu sichern, ohne an die Leistungsfähigkeit der Stadt allzu weitgehende Ansprüche zu stellen?“ Die Stadt erwarb das Grundstück in der Bahnhofstraße 18. Die repräsentative Villa, wie auch das recht ansehnliche Seitengebäude waren für eine Schule mit Internat gut geeignet. Am Ende des großen Grundstücks entstand wohl 1910 ein neues Schulhaus, das nun den Betreibern der Privatschule zur Verfügung gestellt wurde. Nachdem Realschullehrer Thiede leitete ab 1922 Freiherr Dr. von Lützow bis 1935 diese Schule, die er auch als Eigentum von der Stadt erwarb. Text nach Unterlagen von Frau Gudrun Haase und Fotos: Dr. Rainer Reinecke zurück zu Schulmuseum

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Zehn Thaler aber für die Küsterfrau

Zehn Thaler aber für die Küsterfrau, so heisst es in einem Schreiben von König Friedrich Wilhelm II. vom 28. März 1797. Ich fand bei meinen Recherchen zur Geschichte der Zossener Schule an den Inspector Bauer zu Zossen gerichtet. .... sowol wegen Anstallung des Küsters als 3. Lehrer als wegen Verteilung der bewilligten jährlichen 60 Taler. Von diesen 60 Talern erhält also der Küster selbst 40 Thaler als Gehalt, und 5 Thaler als Miethe; 10 Thaler aber für die Küsterfrau, wegen des von ihr in weiblichen Arbeiten zu erteilenden Unterrichts, ohne daß gerade in der Folge die Frau des Küsters notwendig dazu gewählt werden muß, sondern nur dann, wenn sie sich vor anderen dazu qualifiziert; 5 Taler aber bleiben zu Eurer eigenen Disposition, um dafür Schulbücher für arme Kinder anzuschaffen. Wie kam es zu dieser besonderen Zuwendung von 60 Talern für das Schulwesen der Stadt Zossen? Im Jahr 1795 hatte Carl Friedrich Bauer die Stelle des Inspectors (heute Superintendent) in Zossen übernommen und übte auch die Aufsicht über das Schulwesen aus. Er war ein für seine Zeit sehr fortschrittlicher Mann, und erstritt mit vielen Bittgesuchen von der Königl. Regierung Unterstützung. Er fand die Zossener Stadtschule in einem katastrophalen Zustand vor und verwendete seine ganze Kraft darauf, die Schulverhältnisse in Zossen und den von ihm verwalteten Dorfschulen zu verbessern. Er wandte sich mit folgender Bitte um Hilfe an die königliche Regierung: "Flehentlich bitte ich daher Eur. Königl. Majestät zum Behuf eines besseren Unterrichts in der Zossenschen Schule und zu ihrer besseren Einrichtung jährlich eine kleine Summe, die ich nicht zu bestimmen wage, zur Bestreitung der Miethe für eine dritte Schulstube und - zur Gehaltsverbesserung der Lehrer, besonders des Küsters (der bei einer neuen hoffentlich allergnädigst zu approbierenden Einrichtung den größten Teil seiner Zeit der ihn nährenden Arbeit als Schneider entziehen müßte) aus besonderer Huld und Gnade zu bewilligen. Ich hoffe!!" Werfen wir einen Blick auf die Zossener Schulverhältnisse. Da schreibt er: "Der Hauptfehler der Zossenschen Stadtschule liegt in der Menge Kinder, die nicht Raum haben, nicht befähigt sind, nicht übersehen werden können . Der schulfähigen Knaben befinden sich nach genauerer Berechnung 90-100, von diesen mögen wohl ohngefähr 60 in die Schulstube zusamengeschichtet werden können, wenn man die düstern Winkel, den engen Platz hinter dem heißen Ofen und die Thürschwellen mit zur Hilfe nimmt. Die Übrigen bleiben zum Theil aus der Schule, zum Theil werden sie heimlich nach Dorfschulen geschickt, und dazu muß ich schweigen. Der schulfähigen Mädchen sind ohngefähr eben so viel wie der Knaben. Diese finden in der größeren Mädchenklasse ziemlich Platz, aber eingezwängt müssen sie doch auch werden. Das 1724 erbaute Schulhaus hat zwei Stockwerke. Im untersten wohnt links der zweite oder Mädchen-Schullehrer, rechts ist die zweite oder Mädchenschulklasse. Im zweiten Stockwerke, zu dem eine elende Treppe hochführt, links der Rector, und rechts ist die sehr kleine Knabenschulklasse, die durch einen Holzstall des Rectors verengt ist. Die Knaben können nicht alle in die Schule gehen, weil sie nicht Raum haben und einige nicht bemerkt werden können. Diese armen Kinder, die alle Schulstunden unthätig hinbringen müssen, weil sie kein Licht haben, und wegen der Hitze des Ofens, und wegen ihrer Unthätigkeit die beklagenswürdigsten Geschöpfe. Ihr Schicksal ist trauriger als das Los der Zuchthäusler.- Die übrigen sind enge zusammengeschüttet. Im Jammer sieht die Stube kläglich aus! Auch hat sie so wenig Licht, daß ein Theil der Knaben ganz im Finstern sitzt." Zu dieser Zeit gab es etwa 100 schulpflichtige Jungen und ebensoviele Mädchen. Neben dem Rector, der den Unterricht in der Knabenklasse erteilte, unterrichtete ein zweiter Lehrer die Mädchenklasse. Vormittags von 8 - 11 Uhr, nachmittags von 1 - 3 Uhr. Der Küster, der als Schneider den Lebensunterhalt für sich und seine Familie verdiente, unterrichtet nur im Winter nachmittags die Knabenklasse. (Das ist die Zeit, in welcher der Rector mit einem Teil den Konfirmandenunterricht erteilte und Geschäfte der Kirche erledigen musste.) Hier lehrte er die kleinen Knaben das Lesen und Schreiben.- Bauer schreibt: "Der Rector Schernhauer ist nach 22 Dienstjahren und im Alter von 50 Jahren völlig invalide, seine Sehkraft ist stark geschwächt, er ist schwerhörig und von Gicht geplagt. Trotz einer eigenen sehr guten Handschrift und wissenschaftlicher Kenntnisse ist er nicht in der Lage, die Kinder das Lesen und Schreiben zu lehren und die Knabenklasse ist in verwildertem Zustand. Siebzig bis achtzig Kinder in einer Klasse ist ein allgemein anerkanntes Übel.- Nicht zu gedenken, daß sie an ihrer Gesundheit leiden müssen, so ist`s für einen schwachen Lehrer unmöglich, alle in Ordnung zu erhalten. - Der thätigste Lehrer kann nicht alle beschäftigen, und lebhafte Kinder ohne Beschäftigung - verfallen auf strafbare Gedanken und Handlungen - überdies kann keine Lection gehörig vorgenommen werden. - Der Mädchenschullehrer ist gewiß ein thätiger Mann; aber die Menge der Kinder von so verschiedenen Fähigkeiten und Bedürfnissen lassen ihn nicht die Freude sehen, daß sie so viel lernen, als sie bei seiner Bemühung lernen könnten. Die einzige jetzt und bald mögliche, am wenigsten kostbare und gewäß sehr vortheilhafte Verbesserung wäre nach meiner Einsicht die Eintheilung der Schule in drei Classen." Durch diese 60 Taler konnte nun eine dritte Klasse geschaffen werden. "Ein segensreiches Geschenk. Die Schule ist dadurch ihrem Ruin entrissen; durch die Absonderung der Klassen ist zunächst für die Gesundheit der Kinder gesorgt; der Elementarunterricht macht schnellere Fortschritte; in den Umfang des Unterrichts konnte mehreres aufgenommen werden, was der Jugend zu wissen nöthig ist, die Kinder finden sich zahlreicher ein. Die dritte und stärkste Klasse, welche die Anfänger, ohngefähr 100, enthält, ist gut versorgt durch den neuen Küster Starke, zugleich Lehrer im Singen für die erste Klasse. - Mit der dritten Klasse ist nun Arbeitsstunde für weibliche Schülerinnen unter der Aufsicht der Mutter des Küsters verbunden, eine Einrichtung, die man zu benutzen sucht. Die zweite Klasse (der erwachsenen Mädchen) hat an dem Organist Winzer einen treulichen Lehrer. In dieser Klasse ist für den Schulfreund Freude zu ernten." Nach der nun möglichen Neuordnung und der Einstellung des Rectors Beneke 1798 berichtet Bauer: "Überhaupt zeigt sichs, daß bei einer Zahl von 190 - 200 Kindern 3 Lehrer zu wenig sind. Der Rector Beneke hat nun die Schule so umgeschaffen, daß man die jetzige Verfassung, wenn man nicht Zeuge der allmählichen Umänderung gewesen wäre, für die Folge eines Wunders ansehen möchte. An die Stelle der fast ganz unbeschreiblichen Unordnung, des häßlich ungesitteten Betragens, der Faulheit und Dummheit, ist jetzt ein ganz anderer Geist getreten, der die Kinder der ersten Klasse zu pünktlicher Ordnung, zu angestrengtem Fleiße, der ihnen Freude macht, und ihre Kenntnisse und Geschicklichkeiten mit jedem Tag fühlbar erweitert, und zu einem sehr gesitteten Verhalten ermuntert." Dem Wirken von Inspektor Bauer und seinem regen Schriftverkehr mit der Königl. Regierung ist zu verdanken, dass in Zossen 1800 durch eine jährliche Zuwendung von 50 Thalern eine Industrieschule eingerichtet werden konnte und der König Friedrich Wilhelm II. 1804 eine Summe von 4000 Thalern für den dringend notwendigen Schulneubau zur Verfügung stellte. Der Bau konnte aber erst 1806 begonnen werden. Bauer verfasste auch regelmäßig Beiträge zu der jährlich erscheinenden Zeitschrift "Denkwürdigkeiten und Tagesgeschichte der Mark" des Herausgebers Kosmann. Unter merkwürdigen Begebenheuten seiner Inspectionstätigkeit berichtete Bauer auch dort über Verfahren über eine merkwürdige Düngungsart in der Landwirtschaft . Er veröffentlichte eine Sammlung von Idiotismen, sprachlichen Begriffen des einfachen Mannes. Diese waren im Raum Zossen in Gebrauch und er erklärte sie, "... damit Richter, Prediger und Ärzte die völkstümliche Sprache verstehen". Die Vollendung des neuen Schulhauses 1818 erlebte Bauer nicht mehr,. Er verstarb bereits 1809 inmitten aller Schaffenskraft an einer tückischen Krankheit. Das Zossener Schulwesen hat ihm sehr viel zu verdanken. Gudrun Haase Leiterin Schulmuseum Zossen

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Schulhäuser in Dabendorf

1907 eingeweihtes Schulhaus Dabendorf Im Jahr 2021 wird in Dabendorf ein neues Schulhaus eingeweiht werden. Dieser Bau mit einer Kapazität für 1000 Schüler verfügt außer den Unterrichtsräumen über Aula, Mensa, Bibliothek, Mehrzweckräume für die Sportler und eine großzügig gestaltete Außenanlage. Er ist nach jahrelangem Ringen um die Finanzierung entstanden. Damit hat sich die Stadt Zossen im Ortsteil Dabendorf ein repräsentatives Denkmal geschaffen. Es ist an der Zeit, hier nun einen Blick auf vorangegangene Schülhäuser in Dabendorf zu werfen. Diese gruppieren sich um den Dorfkern von Dabendorf. Nachdem im Jahr 1717 die Schulpflicht in Preußen von König Friedrich Wilhelm I. eingeführt wurde, dauerte es noch mehrere Jahre bis alle Dörfer über ein Schulhaus, für den Lehrer zugleich Wohnhaus, verfügten. Aus Berichten der Inspektoren (Superintendenten der Stadt Zossen) erfahren wir über die schlechte Besoldung und die unwürdigen Lebensumstände der Lehrer. Fährt man durch Dabendorf in Richtung Glienick, so sieht man gleich hinter der Dorfaue auf der rechten Seite ein mit einem Türmchen geschmücktes rotes Gebäude. Das ist das im Jahr 1907 eingeweihte Schulhaus von Dabendorf. (Von den vorangegangenen Schulhäusern haben wir keine Bilder, sondern nur Berichte über ihren Zustand.) Hier werden seit der Wende die Grundschüler von Dabendorf unterrichtet. Es wurde als Schule mit zwei Klassenräumen und zwei Lehrerwohnungen errichtet und 1929 mit einem Anbau um zwei weitere Klassenräume erweitert. Lange währte der Kampf um ein ordentliches Schulhaus für die kleine Gemeinde Dabendorf. In den Unterlagen unseres Zossener Schulmuseums liegen zwei Dokumente aus der Zeit vor über zweihundert Jahren vor. Das eine ist die Schülerliste des Lehrers Gottfried Paul, in der er im Jahr 1790 der königlichen Regierung die Zahl von 23 namentlich aufgeführten Schülern meldet. Es waren 13 Knaben und 10 Mägdelein. In einem Bittgesuch an die Königliche Regierung um die Erhöhung seiner Bezüge aus dem Jahr 1801 schrieb er, sein Einkommen reiche nicht aus, um seine Familie zu ernähren, weil er kein Schneiderhandwerk ausüben könne. Das war bei vielen Dorfschullehrern zu dieser Zeit eine notwendige zusätzliche Einnahmequelle. Aus Berichten der Inspektoren erfahren wir über die schlechte Besoldung und die unwürdigen Lebensumstände der Lehrer. Dabendorfer Schüler 1894 Hintergrund Schulscheune Dabendorfer Schüler ( Knaben) 1900 Hintergrund Schulscheune So wird von dem ersten erwähnten Schulhaus um 1800 berichtet, dass die Wohnstube des Lehrers zugleich Schulstube war. Sie hatte eine Größe von 18 Quadratmetern und besaß zwei Fenster, jeweils 1,05m hoch und 0,75 m breit. Der Familie des Lehrers standen noch zwei Kammern zur Verfügung und außer Küche und Flur befand sich noch der Kuhstall unter dem gleichen Dach. Der Lehrer verdiente mit Anrechnung der Naturalleistungen 38 Taler. Nach dem Tode des ersten Lehrers im Jahr 1802 übernahm sein Sohn Johann Gottfried Paul die Stelle. Es heißt "... er wurde von der Gemeinde geachtet und von der Jugend geliebt ..." Man hatte sein Gehalt auf 54 Taler erhöht. Aber 1814 ging er nach Lichtenrade. In den nächsten drei Jahren ergriffen zwei Schulmeister wieder die Flucht, da ihre Kleidung durch Schimmel verdorben und auch die Möbel unter der Feuchtigkeit gelitten hatten. Von 1817 bis 1851 war dann ein Lehrer Gottfried Schmidt in Dabendorf tätig. Für ihn wird erwähnt ein Einkommen von 60 Talern und freie Holzlieferung für das Wohnhaus bei 32 Schulkindern. Hier wird auch schon eine kleine Wohnstube genannt, die durch einen Flur vom Schulzimmer getrennt ist. Man hatte wohl einige Umbauten vorgenommen. Ein neues Schulhaus muss dann doch um 1870, etwa 20 m vom alten entfernt, gebaut worden sein (an der Stelle der heutigen Fahrschule, dem früheren Dorfkonsum). Von 1854 bis 1898 wird der Lehrer Wilhelm Eger erwähnt. Sein Nachfolger Eduard Schlüter 1898 bis 1928 hatte bei seinem Dienstbeginn 47 Schüler zu unterrichten. Das älteste Dabendorfer Schulfoto von 1894 zeigt als Hintergrund nicht das Schulhaus sondern eine massive Scheune. Auf diesen einige Jahre zuvor für den Lehrer errichteten massiven Bau waren die Gemeindeväter besonders stolz. Das Schulhaus hielt man wohl nicht für so darstellungswürdig. Bereits 1901 waren es 87 Schüler und bis 1907 besuchten 108 Schüler diese Schule. Ein Schulfoto aus dem Jahr 1900 zeigt nur die Knaben (wegen der großen Schülerzahl wurden die Mädchen und Knaben jeweils getrennt fotografiert), die nicht vor einem Schulhaus, sondern vor der Scheune stehen. Gesamtschule Dabendorf, eingeweiht 1985 Erst als im September 1907 das rote Schulgebäude eingeweiht wurde, stellte man für die über einhundert Kinder einen zweiten Lehrer ein. Da sich durch die Besiedelung Dabendorfs viele neue Bewohner einfanden, stieg die Zahl der Schulkinder weiter. So wurden 1929 zwei weitere Klassenräume angebaut und die Schule erhielt ihr heutiges Aussehen. Mit der Schaffung einer achtklassigen Schule wurde noch Raum durch die Nutzung von vorher von der Gemeinde genutzten Baracken geschaffen, so dass hier bis 1985 alle Dabendorfer Schüler die 10. Klasse besuchen konnten. Eine Umgestaltung der Zossener Schullandschaft führte dazu, dass 1985 ein neues Schulhaus eingeweiht wurde mit einer Kapazität für 600 Schüler, die nun auch mit Bussen aus den umliegenden Ortschaften hierher kamen. Mit der Einführung der Gymnasialen Oberstufe und der Umwandlung der Zossener Schule in eine Grundschule stieg die Schülerzahl weiter an, so dass seit Jahren in der Schule erhebliche Raumprobleme herrschen. Gudrun Haase

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2021 06 08 4 Gesamtschule Dabendorf 1985 eingeweiht2021 06 08 4 Gesamtschule Dabendorf 1985 eingeweiht