2010-04-19
Dies kann der Tisch aber nicht! Deshalb wird aufgeschrieben, was über ihn erzählt und in Erfahrung gebracht wird. Der Stirnwandtisch, der heute in der guten Stube im Heimatmuseum „Alter Krug“ in Zossen steht, stand nicht immer dort, aber ist ziemlich genau so alt wie der Alte Krug. Jedoch ohne dendrochronologische Untersuchung lässt sich das genaue Alter nicht exakt feststellen. Im Unterschied zu einem Vierbeintisch, wurden für die Stirnseiten des Tisches aus 3 bis 6cm starkem und eindrucksvoll gezeichnetem Kernholz Seitenwände gefertigt. Diese wiederrum wurden mit Querstreben und meist auch mit Fußbrettern verbunden. Jetzt war der Tisch so stabil, dass der Bauer, ohne Risiko für den Tisch, schon mal ordentlich mit der Faust draufhauen konnte.
Ursprünglich stand dieser Stirnwandtisch im Brenzschen Hause in Nächst Neuendorf. Im alten Fachwerkhaus war noch in der guten Stube aufgestellt. Doch dann nach dem Umzug 1908 in das unterkellerte Haus erfüllte er, wie in unterkellerten Bauernhäusern üblich, in der im Keller eingerichteten Wohnküche, seinen Zweck.
„Es ist der Tisch“ so Heinz Brenz (*18.04.1925 +07.02.2005) in einem Gespräch mit Heimatforscher Klaus Voeckler, „um den sich vieler meiner Vorfahren zu den Mahlzeiten einfanden. An diesem Tisch wurde gebetet, gegessen, Federn gerissen oder auch nur an kalten Winterabenden im trauten Familienkreis beisammengesessen, um alte Geschichten zu erzählen.“ In Zeiten ohne Radio und ohne Fernsehen hatten sich Großeltern, Eltern und Kinder noch viel zu erzählen. Wie in jeder Familie üblich, wurde bestimmt auch an diesem Tisch nicht nur gegessen und gebetet. So manchen Streit ums liebe Geld oder um die Erziehung der Kinder wird sich der Tisch wohl auch angehört haben, aber darüber schweigen Tisch und Erzähler. Das Federreißen war, wie aus Überlieferungen hervorgeht, in den Wintermonaten, meist nach der Weihnachtszeit, schon beinahe ein Ritual. In den ungeheizten Schlafkammern war es häufig so kalt, dass sich der Atem als Raureif an der Decke niederschlug. Da konnte nur ein dickes Federbett einen wohligen Schlaf garantieren. Jede Braut hatte auch ein solches Bett mit in die Ehe zu bringen. Dafür wurden die vom geschlachteten und inzwischen verspeisten oder verkauften Federvieh übrig gebliebenen Federn gerissen. Für eine einzelne Bauersfrau war das Abreißen der Federfahnen oder Dauen vom Federkiel an einem Tag nicht machbar. Die Bauersfrauen sprachen untereinander die Termine ab und halfen sich gegenseitig. Der Tisch wäre sonst für Tage blockiert gewesen. Auch die Kinder halfen häufig mit. Wenn so sechs bis acht Bauersfrauen um einen Tisch saßen, machten auch so manch wahre und erdachte Geschichten die Runde. Nach dem Großreinemachen, das Federzeug verkroch sich in alle Ritze, genoss die Runde dann noch ein Likörchen und ein deftiges Abendbrot. Diese Tradition hielt sich noch bis in die sechziger, vereinzelt auch bis in die siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts.
Heinz Brenz vermutete, dass sein Tisch bereits im ersten Brenzschen Bauernhaus gestanden hat, welches 1784 durch einen neuen Fachwerkbau ersetzt wurde. Natürlich erfährt so ein gutes Stück auch manche Wandlungen. So finden sich am Tisch noch Reste mehrerer Ölfarbanstriche oder auch eines Linoleumbelages. Ursprünglich war der Tisch nur mit Leinölfirnis gestrichen. Am 19.04.2001 übergab Heinz Brenz diesen wertvollen Tisch dem „Alten Krug“. Nun steht er wieder in der guten Stube. Jeder Besucher kann sich jetzt an ihn setzen und seiner Phantasie darüber, was der Tisch wohl alles erzählen könnte, freien Raum lassen.
Text: Dr. Rainer Reinecke, nach Aufzeichnungen von Klaus Voeckler
Fotos: Klaus Voeckler
Text: Dr. Rainer Reinecke, nach Aufzeichnungen von Klaus Voeckler
Fotos: Klaus Voeckler
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2019-11-23
Wo gehobelt wird, da fallen Späne
2010-11-24
Dies hat auch Volkmar Wittenhagen (84) erfahren, als er nach dem II. Weltkrieg, zurück aus Kriegsgefangenschaft, aus praktischen Gründen nicht seine durch den Krieg unterbrochene kaufmännische Ausbildung fortsetzte, sondern Tischler lernte. Diesem Umstand verdankt der Heimatverein „Alter Krug" heute die Übergabe von neunzehn Kunsttischlerhobel, die mindestens achtzig Jahre alt sein dürften. Als Herr Wittenhagen sie Anfang der fünfziger Jahre von der Witwe eines Kunsttischlers erwarb, arbeitete er zwar bereits im Laden bei seinem Vater in Berlin Lichterfelde. Dem Anblick dieser Geräte, was heißt hier Geräte, dieser Werkzeuge oder besser noch der Violinen eines Tischlers, konnte er nicht widerstehen. „Dazu gehört eigentlich noch eine Hobelbank", so der 84 jährige, aber die brauche er noch.
„Sie ist noch voll funktionstüchtig, lediglich die Vorderzange musste ich erneuern." Mit einigen dieser wertvollen Werkzeuge hatte er dann noch gearbeitet, so als er das Treppengeländer im Haus und einen Teil seiner Ladeneinrichtung selbst baute. Er hatte inzwischen die Reformhausakademie absolviert und in Lichterfelde, Unter den Eichen, ein eigenes Geschäft. So haben selbst die beiden Kartons, in denen die Hobel dem Heimatverein übergeben wurden, ihre eigene Geschichte.
Carottes Primeurs, steht daraufgeschrieben, junge Karotten aus Israel fanden 1970 in diesen Kartons den Weg von Israel in sein Geschäft nach Lichterfelde, und dienten dann weiter als Umzugskisten bei den Umzügen nach Lankwitz bevor die Eheleute Wittenhagen sich nach Weilburg, der Perle an der Lahn, aufmachten.. „So schön dort die Landschaft auch ist, das bergige Gelände, selbst in der Stadt, wurde für uns bald ein Hindernis. Die Kinder in Berlin baten uns doch in ihre Nähe zu ziehen, und so zogen wir 1999 aufs flache Land nach Zossen." Beinahe wäre der Schatz den Zossenern doch noch verloren gegangen, denn das erste Angebot war ein Wohnhaus in Thyrow.
Diese ganzen Wege haben die Wittenhagens auch die Hobel begleitet, bevor die Wittenhagens sich schließlich entschlossen, sie dem Heimatverein verpackt in den israelischen Karottenkartons zu übergeben. Noch sind die Violinen des Tischlers in den Kartons gut verpackt. In diesem Jahr werden sie im „Alten Krug" ausgestellt werden. Darunter auch das Stück, welches Volkmar Wittenhagen auf dem
Volkmar Wittenhagen mit einer Rauhbank
Volkmar Wittenhagen mit Nuthobel
Foto in der Hand hält. Ein Laie wird dies zunächst gar nicht für einen Hoobel halten, ein Nuthobel mit verstellbarem Abstand. Ähnliche Modelle sind in Internetmuseen mit Jahreszahlen zwischen 1860 und 1900 datiert. Eine Rauhbank hält Volkmar Wittenhagen auf dem zweiten Foto in den Händen. Diese enthielt zwei Hobeleisen, eines zum Spanabheben und eines zum Spanbrechen. „Wird der Span nicht
Hohlkehlhobel
Volker Wittenhagen erklärt einen Simshobel
gebrochen, so besteht die Gefahr, dass das Holz reißt. Neben sieben Hohlkehlhobeln gehören auch sechs Profilhobel und vier Simshobel zum Set, wie dies neudeutsch jetzt heißt. Besonders interessant, die Profilhobel. „Stellen Sie sich immer das Gegenstück vor, dann werden sie erkennen, welche kunstvollen Profile Möbel kanten, Treppengeländer und auch Türen damit geformt worden sind. So wie Handwerker ihr Werkzeug gepflegt hatten, würden auch heute noch Späne fallen, wo diese vielleicht über einhundert Jahre alten Hobel eingesetzt würden.
„Wir fühlen uns in Zossen sehr wohl. Vor allem im Heimatverein und in der Kieselbörse haben wir sehr viele nette Leute kennen gelernt," so Volkmar Wittenhagen zum Abschluss meiner einstündigen Tischlerlehre.
Text und Fotos: Dr. Rainer Reinecke
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2019-11-24
Über 100 Jahre altes Konfirmationskleid
2012-09-09
Frau Elvira Dahlke übergab anlässlich des Tages des Offenen Denkmals dem Heimatverein „Alter Krug“ ein Konfirmationskleid ihrer Großmutter. Ihre Großmutter, Anna Schadow, geborene Petermann, wurde 1887 in Schöneiche geboren. Sie wohnte später in den Weinbergen Nr. 72 bzw. 38, also in unmittelbarer Nähe des Alten Kruges. Wenn sie das Kleid mit 14 zur Konfirmation getragen hat, dann wäre diese 1901 gewesen. Genauere Angaben ließen sich sicherlich aus den Kirchenbüchern ermitteln. Fakt ist jedoch, das Kleid ist über 110 Jahre alt. Wer sich das Kleid näher anschaut, muss kein Experte sein, um dieses Kleid als eine wertvolle Schneiderarbeit zu erkennen.
Bewundernswert die Details an diesem Kleid
Jedoch nicht nur zur Konfirmation trug die Großmutter das Kleid. Sie heirate mit 20 Jahren, also 1907 und feierte 1932 Silberhochzeit. Auch zur Silberhochzeit trug die Großmutter das gleiche Kleid. Ihre Figur hatte sich kaum verändert. „Sie hätte dieses Kleid auch noch kurz vor ihrem Tode tragen können“, so Elvira Dahlke, „auch ich sollte eigentlich dieses Kleid zu meiner Konfirmation 1951 anziehen, doch dann entschieden wir uns für das Silberhochzeitskleid meiner Tante.“
Vielen Dank Frau Dahlke!
Text und Fotos: Dr. Rainer Reinecke
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2019-11-24
Ein runder Tisch für den Heimatverein
2012-09-09
Michael Sommer übergab dem Heimatverein einen ca. 1955 als Gesellenstück im Familienunternehmen Reimann in Dabendorf gefertigten Tisch.
Zum Tag des Offenen Denkmals hatte MIchael Sommer für die Ausstellung zur Dresdener Eisenbahn das Modell des Zossener Bahnhofs beigesteuert. Nachdem er das Modell mit aufgestellt hatte verabschiedete er sich von Klaus Andrae, dem Museumsleiter, mit den Worten: „Ich werde sehen, ob ich den Tisch transportiert bekomme.“
Zuvor hatte er Klaus Andrae einiges über diesen Tisch erzählt und nun wollte er dem „Alten Krug“ das gute Stück als Ausstellungsgegenstand zur Verfügung stellen.
Eine knappe Stunde später rollte der Tisch an.
Dann setzte Michael Sommer den Tisch wieder zusammen. Der Einblick unter die Tischplatten offenbarte eine meisterliche Präzisionsarbeit. Nut und Gegenphase für das Einschieben der Ausziehplatten sind millimetergenau und nach über sechzig Jahren, trotz intensiver Nutzung, kein bisschen verzogen. Die eingebauten ausklappbaren Zwischenplatten sind so stabil, dass der Tisch im ausgezogenen Zustand an den Tischplatten noch heute angehoben und transportiert werden kann. Obwohl die Umrandung des kreisrunden Unterbaus ja von den Platten verdeckt wird, ist diese sauber mit Holzfurnier belegt.
Wer denn alles so an diesem Tisch gesessen hat habe ich Michael Sommer gefragt.
„In meinem Elternhaus mit Vater Helmuth Sommer und Mutter Anneliese aßen an diesem Tisch noch wir drei Kinder und die Oma. Von 1978 bis 2010 diente der Tisch nach Familie Michael Sommer als Esstisch. Unsere Familie war zwar nicht sehr groß, aber wir hatten oft viele Gäste, spielten Rommé und Skat an diesem Tisch.“
Hat in Ihrem Elternhaus der Tisch in der Stube gestanden?
„Ja.“
War dies die gute Stube, die nur zu Sonn- und Feiertagen genutzt wurde?
„Nein, die gab es extra noch und sie existiert seit ca. 1900 fast unverändert heute noch in meinem Elternhaus.“
Interessant sind doch immer auch die Geschichten hinter den Dingen.
Text und Fotos: Dr. Rainer Reinecke
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2019-11-24
„Beußel-Bank“
2018-09-14
Nun ist die "Beußel-Bank“ hier im „Alten Krug“ in den Weinbergen. Kirchenbesucher werden diese schwarzbraune Bank mit den Schnitzereien, der hohen Rücklehne und den gewaltigen Armlehnen kennen. Man nennt sie die „Beußel-Bank“. Viele Jahre stand sie in der Sakristei der Zossener Dreifaltigkeitskirche später dann im Gemeindesaal, gleich neben dem verschlossenen Aktenschrank. Nach der Wende wurde die Bank schon etwas restauriert und zeigt sich so im heutigen schwarz-glänzendem Zustand den Besuchern. Besonders Kinder liebten diese Bank, konnte man mit dem Po doch schön drauf rutschen und gab oft den Eltern eine Verschnaufpause. Viel kann über diese Bank noch nicht berichtet werden. Ist sie ein Geschenk des Rittergutsbesitzer Fritz Beußel an die Kirche gewesen?
Hat er sie nur benutzt oder hat er sie schon von Vorgängern aus dem Rittergut übernommen? Hat sie überhaupt was mit Beußel zu tun oder gibt nur der Volksmund diesen Namen? Alles liegt noch im dunkeln. Nach dem Umbau des Gemeindesaales, dessen Ursprung mal der Rittergutsbesitzer Fritz Beußel gestiftet hat, fand sich für dies schöne Bank kein geeigneter würdiger Platz mehr. Nun hat die historische „Beußel-Bank“ im „Alten Krug“ eine vorläufige neue Heimat neben dem Kachelofen gefunden. Die Evangelische Kirchengemeinde Zossen und der Heimatverein haben einen Dauerleihvertrag dazu abgeschlossen. Kommen Sie mal vorbei und sitzen Sie auch einmal Probe.
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2020-06-11
Heimatverein erhielt Chronik von der ZBE ACZ Zossen
Der Heimatverein erhielt aus den Händen des ehemaligen Leiters der ZBE ACZ Zossen die Chronik des Betriebes. Die Abkürzungen ZBE und ACZ sind vielleicht jener Generation, die in der DDR gearbeitet und gelebt hat, noch ein Begriff. Sie würden sicherlich in Vergessenheit geraten, wenn sie nicht als Teil der DDR-Geschichte, aber auch der Heimatgeschichte vor Ort, vor allem in den landwirtschaftlich geprägten Gebieten, verstanden und auch aufbereitet würden.
Die Agrochemischen Zentren (ACZ) waren Zwischenbetriebliche Einrichtungen (ZBE) die für mehrere Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften (LPG), Volkseigenen Gütern (VEG) und Forstbetrieben die Lagerung und Ausbringung von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln übernahmen. Übrigens die Abkürzungen für die Strukturen der landwirtschaftlichen Produktion enthielten meist drei Buchstaben, so unter anderem LIW, KFL, KAP, LTA, ZGE, GPG, LVG.
Dem Heimatverein liegt jetzt die Chronik des ACZ – Dabendorf vor. Daraus wird deutlich, dass das ACZ Dabendorf maßgeblich das gesamte gesellschaftliche Leben im Kreis Zossen mitprägte. Auf 124 Seiten ist minutiös die Vorgeschichte des ACZ und seine Entwicklung in Wort und Bild bis 1985 festgehalten.
Über die Wortwahl wird der Leser manches Mal schmunzeln, jedoch auch sie widerspiegelt einen Teil des Zeitgeistes.
„Die K A N T I N E
Ohne Kantine kommen einige unserer Werktätigen nicht mehr aus.
Sie steht zur Versorgung des leiblichen Wohl’s, von 8-13 und 14-17 Uhr allen Angehörigen des Betriebes zur Verfügung.
Es werden täglich ca. 750 belegte Brötchen, 90 l Kaffee und 200-300 Portionen Mittagessen verkauft.
Sonderwünsche für Kollegen, die auswärts arbeiten, werden prompt und vorrangig erledigt.“
Nach der Chronik geht die Geburtsstunde des ACZ auf einen Beschluss mehrere LPG, einer Gärtnerischen Produktionsgenossenschaft (GPG), einem Landwirtschaftlichen Versuchsgut (LVG), und einem VEG vom 20.03.1970 zurück. Der Beschluss sah vor, in Dabendorf ein zentrales Dünger- und Pflanzenschutzmittellager zu errichten. So entstand 1971 eine Düngermitteltraglufthalle mit 10.000 t Lagerkapazität.
Das ACZ übernahm für die umliegenden Betriebe auch logistische Aufgaben für die Entladung von Gütern aller Art von der Reichsbahn und den Transport zum Endverbraucher. Das ACZ betrieb in Glienick auch eine eigene Kiesgrube, führte Agrarflüge durch, unterhielt eine eigene Instandhaltungsabteilung für sämtliche Fahrzeuge und Geräte. Die Mitarbeiter der Abteilung Bau bauten u.a. Stallanlagen, Siloanlagen für die LPG. Das ACZ gestaltete wesentlich die Kreisernte- und Dorffeste mit, setzte seine Technik auch bei Bau- und Unterhaltungsmaßnahmen der Städte und Gemeinden ein.
Für seine Mitarbeiter baute das ACZ in Bresewitz, einem Fischerdorf an der Ostsee, ein eigenes Ferienheim „Boddenblick“. Bemerkenswert dabei ist auch die Einbeziehung ortsansässiger Künstler wie Jürgen Melzer, Ursula Wendorf Weidt und weiterer in die Innengestaltung des Ferienhauses. 1984 kam das Haus „Enzian“ in Thalwenden als Kurhaus in Thüringen hinzu.
Die vorliegende Chronik gibt also einen Einblick in die landwirtschaftliche Produktionsorganisation im Kreis Zossen und in das gesellschaftliche Engagement eines Agrarbetriebes.
Nach der Wende kaufte der ehemalige Leiter des ACZ den Betrieb auf und teilte ihn in mehrere Unternehmen auf. Die Geschichte nach der Wende ist eine Geschichte von Höhen und Tiefen, die ebenfalls nicht in Vergessenheit geraten sollte.
Text und Fotos: Dr. Rainer Reinecke
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2020-06-11
Deutsche Reichspatente No. 100944 und No. 145397
Der Heimatverein erwarb eine Werbeseite, die Aufschluss über den Erfindergeist des Mühlenmeisters W. Otto aus Zossen gibt.
Auf diesem Werbeblatt offeriert der W. Otto, Mühlenmeister aus Zossen, Referenzen für sein Patent „Selbständige Zug-Jalousie-Regulierung ohne Bruststück und Welle zu durchbohren und bei Hinterwind selbständig öffnend“. Dieses Patent ist nach seinen Angaben als Deutsches Reichs- Patent-No 100 944 registriert. Auf der Rückseite des Werbeblattes wirbt er für ein weiteres seiner Patente einer „Getreide-, Spitz- und Reinigungsmaschine“ unter der Deutsches Reichs-Patent No- 145 397. Ein Blick in die Liste der vergebenen Patentnummern D.R.P., Deutsches Reichspatent, und D.R.G.M., Deutsche Reich Gebrauchs Muster, 1877 – 1945 verrät, dass die Patente über die Zugjalousie 1898 und über die Getreidemaschine 1903 erteilt wurden. (1)
Ohne zu sehr in die technischen Details einzusteigen, nur so viel, die Zugjalousie regelte den Lauf des Mahlwerkes bei wechselnden Winden und Witterungsverhältnissen. Das Bruststück ist jenes Teil am Flügelwerk, an dem die Flügel – Ruten angebracht sind. Die technischen Details des Mühlenbaus können in Werner Schnelle: „Mühlenbau-Wasserräder und Windmühlen bewahren und erhalten“ (2) nachgelesen werden. Unter dem Stichwort Mühlenaufbau finden sich aber auch im Internet sehr detaillierte Konstruktionshinweise.
Rückseite der Werbeseite
Das Wesen des Patentes von W. Otto beschreibt in dem Dokument die Referenz eines Ingenieurs H. Müller aus Berlin so:
„Herrn Mühlenmeister W. Otto, Zossen
Im April 1904 nahm ich an einem stürmischen Tage Gelegenheit, die Otto’sche Patentjalousie hinsichtlich der Funktion zu beobachten resp. zu prüfen. An jenem Tage arbeitete die Mühle mit zwei Zeugen flott, es traten kräftiger Regen, sowie öfters orkanmäßige Stürmen; das Resultat der Prüfung ergab, die Mühle arbeitete trotz der kolossalen Unregelmäßigkeit des Windes so gleichmäßig, daß ohne Weiteres überhaupt keine Tourenschwankungen wahrnehmen konnte…“
Nach einem undatierten Zossener Adressbuch wohnte W. Otto, Mühlenmeister, in der Kerne 1, Baruther Chaussee 11.
Mit diesem Dokument haben wir wieder etwas mehr über das Wirken der Zossener Bürger als Teil der Heimatgeschichte erfahren.
Der Heimatverein hat eine historische Postkarte mit einem Luftbild, auf dem auch die Mühle erkennbar ist, erworben. Diese Postkarte, gibt doch einige Rätsel auf. Die verwendete Briefmarke mit dem Abbild des Reichskanzlers Hindenburg wurde von 1932 bis 1945 verwendet. Der Poststempel auf der Karte ist leider unleserlich. Die Karte enthält jedoch einen Stempelaufdruck vom 22.11.1966, der vermutlich von einem Sammler aufgedruckt wurde. Eine Internetrecherche beim Brandenburgischen Hauptarchiv ergab, dass ein Rudolf Link 1956 noch unter der auf der Karte angegebenen Anschrift gewohnt haben muss. (3)
In der Publikation Gerhard Kaiser: Sperrgebiet – Die geheimen Kommandozentralen in Wünsdorf findet sich auf S. 29 eine Abbildung der gleichen Luftbildaufnahme. Dort wird der Poststempel mit dem 4.5.1914 angegeben. (4) Ein Vergleich mit anderen vorhandenen Ansichten zeigt vom Baumbewuchs und von der Bebauung, dass die Zeit um den 1. Weltkrieg die zutreffende sein muss.
Das Foto aus der Gegenwart zeigt die Ansicht eines der Gebäude der ehemaligen Mühle, an dem zumindest das Symbol der Mühle im Giebel auf die ehemaligen Mühle verweist.
Werner Schnelle: Mühlenbau-Wasserräder und Windmühlen bewahren und erhalten herausgegeben vom Deutschen Institut für Normung, Beuth Verlag GmbH – Berlin Wien -Zürich, ISBN 978-3-410-21342-0
https://www.optical-toys.com/files/Dokumente/AAA%20-20Einzeldokumente/Patentnummern%20Deutschland.pdf (2020-05-06)
http://blha-recherche.brandenburg.de/detail.aspx?ID=1310016 (2020-05-06)
Gerhard Kaiser: Sperrgebiet – Die geheimen Kommandozentralen von Wünsdorf seit 1871, CH. Links Verlag, Berlin, 1993, ISBN 3-86153-059-7, S. 29
Text und Fotos: Dr. Rainer Reinecke
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Ehrenbürgerurkunde für Franz Oertel
Seit kurzem ist der Heimatverein Zossen im Besitz der Urkunde, in welcher der Magistrat und Stadtverordnete der Stadt Zossen am 3. Juli 1927 Franz Oertel zum Ehrenbürger der Stadt Zossen ernannten. Der Ledermappe mit der Ehrenbürgerurkunde lag noch eine weitere Urkunde bei. Danach war Franz Oertel der Kirchenälteste und erhält von der Evangelischen Kirche der Mark Brandenburg in „dankbarer Anerkennung langjähriger und treuer Arbeit im Dienste für Kirche und Gemeinde“ am 1. Juli 1929 eine Ehrenurkunde. Der Zossener Chronik von Louis Günther ist zu entnehmen, dass man bereits 1924 die nach der Revolution abgegangenen Ratmänner Franz Oertel, Ernst Götze und Karl Schwietzke zu Stadtältesten ernannte. „Der Ratman Bernhard Fink und dem Stadtarzt Geheimen Sanitätsrat Dr. v. Ubisch wurde das Ehrenbürgerrecht angetragen“ (S. 109).1
Wenn in Zossen der Name Oertel fällt, verbinden die Bewohner der Stadt den Namen zumeist mit dem Oertelufer, der KITA am Oertelufer und dem Industriedenkmal Kalkschachtöfen. Über die Kalkschachtöfen wurde schon viel geschrieben. Eigentlich könnte das gegenüberliegende Ufer auch Oertelufer heißen. Denn dort pachtete F. Oertel von 1870 bis 1880 den Kalkofen von Töpfermeister C. Krause. Zur gleichen Zeit ließ er am gegenüberliegenden Ufer, dem heutigen Oertelufer, die beiden Kalköfen errichten. Diese Rumfordschen Öfen waren moderner als der bisherige Kalkofen am anderen Ufer. F. Oertel, der das Grundstück mit dem alten Ofen erworben hatte, ließ diesen Ofen abbauen und verkaufte schließlich das Grundstück an die Elektrizitätswerke. Die beiden Kalkschachtöfen am Oertelufer sind als Industriedenkmal in einem ersten Bauabschnitt gesichert worden.
Auch ein Fabrikbesitzer wird nicht so ohne weiteres als Ehrenbürger geehrt. Lässt schon die Urkunde der Evangelischen Kirche erahnen, dass Franz Oertel sich für seine Gemeinde engagiert hat, so finden sich in der Zossener Chronik von Louis Günther weitere Anhaltspunkte. Danach war Franz Oertel von 1898 bis 1919 einer von vier Ratsherren in Zossen. S. 82.
Zeugt schon die Einführung des Rumfordschen Ofens von der fortschreitenden Industrialisierung, so wurden auch neue Verkehrswege benötigt.
„Die Chausseen von Zossen über Schöneiche Kallinchen nach Motzen bezw. Zossen über Telz nach Mittenwalde sind im Jahre 1885 fertiggestellt worden. Bis dahin führten nur sogenannte Sanddämme dahin, die nach der Dammordnung ebenfalls von den verschiedensten Gemeinden zu unterhalten waren. Biese Verpflichtungen sind wohl auch in diesem Falle durch die Beiträge der Gemeinden zum Chausseebau
abgegolten worden, ohne daß ein förmliches Ablösungsverfahren geführt worden ist.
Stadt Zossen leistete zu diesen Chausseebauten 300 Schachtruten Feldsteine, die von dem Kalkbrennereibesitzer Oertel hier und Kiesgrubenbesitzer Henecke in Mellensse zu Preise von 38,30 M pro Schachtrute geliefert worden, also eine Ausgabe von 8490 Mark. S. 253.“ Schachtrute ist ein ehemaliges deutsches Volumenmaß für Baustoffe. Die preußische Schachtrute umfasst 4,4519 Kubikmeter.
Wer jetzt nachrechnet, wird feststellen, dass hier ein Schreibfehler vorliegen muss. Entweder lag der Preis bei 28,30 Mark oder der Gesamtpreis machte 11.490 Mark aus.
Zunächst seien die Steinlieferanten zu lässig gewesen, will heißen, sie haben zu langsam geliefert, so dass erst der Bürgermeister Regener „mit einem Donnerwetter“ dazwischenfahren musste. Kalkbrennereimeister und Kiesgrubenbesitzer benötigten diese Straßen offensichtlich nicht so dringend, denn sie wickelten ja ihre Transporte per Schiff über den Nottekanal oder andere Straßenverbindungen ab.
Ein anderer Streit sei zwischen der Stadt und Landrat Stubenrauch wegen der Kirschbäume an der Chaussee entbrannt. Streit zwischen Landkreis und Stadt ist also keine Erfindung der Neuzeit. Schließlich setzte sich der Landrat durch, keine Kirschbäume an der Chaussee. S. 253/244.
Mit der Industrialisierung löste auch das Dezimalsystem die herkömmlichen und örtlichen verschiedenen Mess- und Wiegeverfahren ab. Bis 1883 wurde noch mit der alten Ratswaage gewogen. „Da stellte der Kalkbrennereibesitzer Franz Oertel eine neuzeitliche Dezimalwage auf und wurde er nunmehr zum Ratswagemeister bestellt und vereidet.“ S. 351.
Mit der Industrialisierung entstanden auch Organisationen, die diesen Prozess begleiteten.
Im Jahre 1897 sei die Genossenschaft von den Landwirten der Stadt und denen der umliegenden Dörfer gegründet und das Molkereigebäude in der Wasserstraße 7 erbaut worden.
„Vorsitzender der Genossenschaft war der Kalkbrennereibesitzer Franz Oertel. Es war der Genossenschaft jedoch keine lange Lebensdauer beschieden. Schon nach wenigen Jahren wurde die Liquidation beschlossen und das Grundstück nebst den technischen Anlagen verkauft.“ S.294.
Unter Otto von Bismarck wurde am 15.Juni 1883 ein Krankenversicherungsgesetz verabschiedet. Mit diesem Krankenversicherungsgesetz wurden alle Arbeiter mit einem Verdienst von 2000 Mark und darunter versichert. Ein Drittel der Beiträge trug der Arbeitgeber. Zur Umsetzung dieses Gesetzes entstanden die ersten Ortskrankenkassen. Louis Günther nennt sie „Kasse für gewöhnliche und landwirtschaftliche Arbeiter, Dienstpersonal und Gesinde… Die Kassenverwaltungsgeschäfte wurden im Büro des Kalkbrennereibesitzers Oertel besorgt.“ S.445.
Franz Oertel hatte offenbar ein Interesse daran, dass für die Arbeiter Fürsorge für den Krankheitsfall getroffen wurde.
Da gerade Bismarck genannt wurde. Am 18. Oktober 1897 sei das Bismarckdenkmal eingeweiht worden. „Die hinter dem Denkmal stehende Gedächtniseiche stiftete und pflanzte Ratmann Oertel von hier.“ S.346.
Franz Oertel, Kalkbrennereibesitzer, Ratmann, Genossenschaftsvorsitzender, Stadtältester, Kirchenältester, ein Ehrenbürger eben.
Franz Oertel verstarb im Alter von 87 Jahren am 2. Februar 1937.
__________________________
1 Louis Günther: Stadtchronik Zossen. Die Seitenzahlen hat der Autor dem Exemplar der Chronik, welches ihm vorlag, durchnummeriert, da das Exemplar keine Seitenzahlen enthielt.
2 Vgl.: Lorenz Berlin: Die Kalkbrennerei Oertel. In Zossen ein märkisches Städtchen, Hrsg.: Heimatverein „Alter Krug“ Zossen e.V. S. 177-181.
Zossen, 21.05.2020
Text und Fotos: Dr. Rainer Reinecke
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2021-02-16
Dokument über Auszeichnung im Namen des Kaisers
Des Kaisers letzte Orden
Diese Dokument mit Orden erwarb der Heimatverein 2020. In diesem Dokument übermittelt der Landrat von Teltow die Auszeichnung der Ehefrau des Zossener Bürgermeister Dr. Otto Wirth mit dem Verdienstkreuz für Kriegshilfe durch „Seine Majestät Kaiser und König“.
„Das Verdienstkreuz für Kriegshilfe wurde am 5. Dezember 1916 von Kaiser Wilhelm II. gestiftet. Es konnte an alle Männer und Frauen verliehen werden, die sich im vaterländischen Hilfsdienst besonders ausgezeichnet hatten.“ 1
Diese Auszeichnung erhielt also: „Frau Bürgermeister Dr. Wirth, Hochwohlgeboren“. Wie damals üblich, wurde die Frau nicht mit Vor- und Nachnamen persönlich angesprochen, sondern als Frau des Bürgermeisters. Nach der Zossener Chronik von Louis Günther wurde Dr. Wirth am 1. Mai 1899 von der Stadtverordnetenversammlung als Bürgermeister gewählt und begleitete dieses Amt über 30 Jahre.
links im Bild Dr. Wirth, in der Bildmitte Frau Dr. Wirth
Bildmitte mit Gehstock Dr. Wirth beim Ausscheiden aus der Stadtverwaltung
Als Absendeort ist in dem Dokument Berlin W10 angegeben. Nach einer Liste der Berliner Postbezirke befand sich das zuständige Postamt in der Grabenstraße, heute Reichpietschufer in Tiergarten.2 Der Landrat von Teltow hatte damals seinen Sitz in Berlin.
Interessanter als die Ortsangabe ist bei den Absenderangaben jedoch das Datum, der 29. November 1918. Einen Tag zuvor hatte der Kaiser in seinem Exil in den Niederlanden seine Abdikation, seine Abdankung, unterzeichnet.
Bereits am 9. November hatte der letzte kaiserliche Reichskanzler, Max von Baden, die Abdankung des Kaisers verkündet. Demzufolge dürfte das vorliegende Dokument eines der letzten gewesen sein, in dem im Auftrag seiner Majestät des Kaisers und Königs noch Orden verliehen wurden.
Landrat von Teltow war zu dieser Zeit (1908-1931) Adolf Heinrich August von Achenbach. Als sein Vorgänger im Amt wirkte der legendäre Ernst Leberecht Hugo Georg Colmar von Stubenrauch.
1 https://de.wikipedia.org/wiki/Verdienstkreuz_f%C3%BCr_Kriegshilfe (Stand 2020-12-04)
2 https://de.wikipedia.org/wiki/Berliner_Postbezirke_zwischen_1862_und_1920
2021 02 16 Wirth Dokument
2021 02 16 Orden
2021 02 16 Wirth Chronik Zossen
2021 02 16 Fam Wirth
2021 02 16 Wirth Rathaus
2021-03-19
Aus dem Fundus des Vereins
Aus dem Fundus entnommen
Feuerpolizei- und Löschordnung für die Stadt Zossen von 1833
Am Zustand des aus dem Fundus entnommenen unscheinbaren abgewetzten blauen Heftchen lässt sich sein Alter erahnen. Die rauen mausgrauen Seiten haben scheinbar selbst schon einmal Löschwasser abbekommen. Die Schrift ist trotzdem noch gut zu lesen und lässt so ein Stück Feuerwehrgeschichte unserer Stadt lebendig werden.
Feuersbrünste hatten in der Vergangenheit ganze Städte und Dörfer vernichtet und den Bürgern alles Hab und Gut genommen. Von Armut und Hunger geschlagen, wendeten sich die Städte immer wieder hilfesuchend an den König. Schließlich reagierte die königliche Verwaltung. Das königliche Oberpräsidium der Provinz Brandenburg erließ am 20.1.1832 eine Musterordnung für die Feuerpolizei, die in den Städten dann umzusetzen war. Damit sollten diese Feuerbrünste eingedämmt werden. Für die Stadt Zossen erfolgte der Beschluss am 25.1.1833 vom Magistrat der Stadt Zossen, gezeichnet vom Magistrat die Herren Geiser, Guricke, Fiedler, Eichhorn, Fischer, Finke. Die Zossener Feuerpolizeiordnung wurde am 16.5.1834 durch die königliche Regierung Abteilung Inneres veröffentlicht.
Diese vom Zossener Magistrat beschlossene Feuerpolizeiordnung ist in fünf Abschnitte und einen Anhang gegliedert. Abschnitt 1 enthält allgemeine Grundsätze, baupolizeiliche Regelungen, die bis heute fast unverändert in Bauordnungen gelten. Darunter ein Verbot von Bretter- und Schindeldächern, Giebelbauten sind zur Straße ausrichten, Dachrinnen sind aus Blech zu fertigen, Schornsteine müssen massiv sein und Brandmauern zum Nachbargrundstück sind zu errichten. Das 6malige jährliche Fegen der Schornsteine, nur durch zugelassene Schornsteinfeger, wird zur Pflicht.
Interessant ist § 25 über die Lagerung von Brennholzmengen auf den Grundstücken entsprechend der Familiengrößen. Jeder Hauseigentümer hatte einen Ansprechpartner für die Feuerpolizei zustellen und alle Bewohner im Umgang mit Feuer zu schulen. Im § 34 gab es auch schon ein generelles Rauchverbot auf den Grundstücken und auch im öffentlichen Raum. Die § 51-52 regeln den möglichen Abschluss und die Genehmigung von Feuerversicherungen. Sie war bei der örtlichen Feuerpolizei zur Prüfung vorzulegen.
Im 2. Abschnitt wird die Aufgabe der Feuerlöschung und die Bereitstellung des Löschmaterials ausführlich geregelt. Abschnitt 3 gibt Anweisungen zur Alarmierung. Die Abschnitte 4 und 5 regeln die Untersuchung und die Beseitigung der Brandfolgen. Im Anhang wird die Aufgabe des Nachtwächters in der Stadt Zossen geregelt.
Nun fragen ASie sich, wo denn der Feuerwehren hier erwähnt werden. Erst 50 Jahre nach Erlass der Lösch-Ordnung erfolgte 1883 die Gründung der freiwilligen Feuerwehr in Zossen. Im Jubiläumsheft zum 50jährigen Feuerwehr-Jubiläum wird über diese Gründung berichtet. Über dieses Jubiläumsheft erscheint ein gesonderter Beitrag.
Wir beabsichtigen, die gesamte Lösch-Ordnung von 1833 demnächst online zu stellen.
Text: Karola Andrae
Fotos: Klaus Andrae
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2021 03 18 Loeschordnung
2021-12-02
2021-12-03 Einstieg in die digitale Museumswelt
Mit der Veröffentlichung des letzten von 4422 Fotos des Zossener Fotografen Günter Scheike am 30. November 2021, der evangelischen Pfarrkirche von Zwethau, auf museumdigtal ist das erste Projekt zur Digitalisierung von Kulturgütern des Heimatvereins „Alter Krug“ Zossen abgeschlossen. Damit können jetzt alle Nutzer des Internets diese Fotosammlung über Orte in der DDR in den 60iger Jahren des vorigen Jahrhunderts sehen.
Wenn wir geahnt hätten … Wir hätten das Projekt bestimmt dennoch in Angriff genommen. Das Digitalisieren der Negative war noch der einfachere Part, da wir diesen dank der Förderung duch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg einer Agentur überlassen konnten. 4422 Fotos mit Metadaten anzureichern, wo lediglich der Fotograf und der Ort bekannt waren, stellte ein zeit- und arbeitsaufwendige Herausforderung dar. Schließlich konnte der letzte Part, Fotos und Metadaten online zu stellen, zur Hälfte auf Honorarbasis und zur anderen Hälfte ehrenamtlich erledigt werden.
Viele Anfragen zu den Fotos zeigen, dass unser erstes Projekt in der digiitalen Museumswelt gut aufgenommen wurde.
Obwohl wir jetzt um den Aufwand wissen, werden wir dennoch nächste Projekte in Angriff nehmen. Exponate in Depots, Archiven und Schubladen werden dem öffentlichen Zugang entzogen. Mögen doch die Internetnutzer selbst entscheiden, welche für sie interessant sind. Die Präsentation von Exponaten auf den einschlägigen Internetplattformen erweitern die Museen in den virtuellen Raum.
Gegenüber dem Land Brandenburg konnte das Projekt 2020 abgerechnet werden, weil der geförderte Anteil der digitalisierten Fotos da bereits erfüllt war.
Die digitalisierten Fotos auf museum digital
Gern möchten all jenen, die sich ebenfalls mit dem Gedanken tragen, ähnliche Projekte in Angriff zu nehmen, unsere Projektkonzeption und unseren Sachbericht als Anregung zur Verfügung stellen.
Dieses Projekt wurde durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg gefördert.
zwethau evangelische pfarrkirche ansicht 1 67602
2022-03-04
2022-03-04 Aus einer anderen Zeit
Blick in eine andere Zeit – ein Exponat aus dem Fundus des Vereins.
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2022-03-09
2022-03-09 Alles im Netz
Es gibt alles im Netz, wenn man sich damit beschäftigt. So ist es dem Verein gelungen, Teile des Zentralblattes der Bauverwaltung des Kaiserreiches käuflich zu erwerben. Dieses Schriftstück ist nun schon 106 Jahre alt und fasziniert noch heute. Am 25.März 1916 wurde im nichtamtlichen Teil über den Bau eines mohammedanischen Bethauses für Kriegsgefangene in Wünsdorf, Provinz Brandenburg, berichtet. Auf weiteren Seiten wird ausführlich über die Bauweise der Holzkuppel und das Umfeld beschrieben. Das später Moschee genannte Gebäude ist leider nur noch auf Postkarten zu finden. Auf die Lage der Moschee verweist heute nur noch der Straßenname in Wünsdorf.
Die Moschee wurde im sogenannten "Halbmondlager", einem Kriegsgefangenenlager des Ersten Weltkrieges für Gefangene muslimischen Glaubens errichtet. Sie war die erste Moschee in Deutschland.
Informationen zur Moschee auf Wikipedia, zum Halbmondlager auf Wikipedia.
Wissenschaftliche Abhandlung als PDF
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2022-06-20
2022-06-14 Ein Stück Zossener Zeitgeschichte übergeben
Dem Heimatverein wurden unverhofft jetzt 5 Brigadebücher des DDR-Fotoladens am Markt übergeben.
Heute befindet sich in diesen Räumlichkeiten die Deutsche Bank Automatenfiliale. Von dem damaligen langen Geschäftsräumen ist nichts mehr zu sehen, nur wenn die Geldautomaten gefüllt werden ist ein Blick nach hinten noch zu erhaschen. Viele Zossenern über 70 kennen den Fotoladen noch unter den Namen „Gewinn“dem selbständigen Fotografenmeister, bis die Verstaatlichung erfolgte und unter den Namen Dienstleistungsbetrieb (K) Foto bis zur Wende weiter geführt wurde. Tausende Paßbilder wurden hier gefertigt, Massen an privaten Filmen aufs Fotopapier gebracht und sicher auch bald jedes Brautpaar des Standesamtes kamen zu den festlichen Foto-Serien in diesen Laden und den Studiobereich.
In den umfangreichen Berichten findet wir viel Zeitgeschichte in Schrift und Bild von Zossen. Es gibt auch Bilder von den Arbeitsbedingungen hinter dem Ladentisch und Aktivitäten bei vielen politischen und unpolitischen Feiern und Ausflügen.
Heute finden wir die geschwollenen Berichte zu Planerfüllungen doch amüsant. War man damals selbst in der DDR-Bürger gehörten diese Wortwahlen doch zum Tagesgeschäft der Meldungen nach oben in die Leitungsebenen.
Karola Andrae
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2023-05-15
2023-05-15 Ein unscheinbares blaues Buch A4
Im Fundus des verstorbenen Heimatforschers Klaus Voeckler befand sich ein Buch mit seinen persönlichen Aufzeichnungen zu Direktorenberatungen der Schulen des Kreises Zossen von Dezember 1987 bis September 1989.
Als Direktor der Glienicker Oberschule vernahm er in dieser Zeit veränderte Vorstellungen von Schülern und Elternschaft über die Gestaltung des Lebens. Dinge wurden hinterfragt, manches verweigert, z. B. Arbeitseinsätze von Schülern. Anscheinend war es auch den Vorgesetzten in Kreis und Bezirk schon schwer, diese Veränderungen in der damaligen Gesellschaft und der politischen Auffassungen der Direktorenschaft zu erklären.
Neben den politischen Diskussionen ging es damals auch schon um Probleme wie Arbeitskräftemangel und die Beantwortung der Frage, wer denn „Zugriff“ auf die Auszubildenden haben sollte. Hier standen für den Glienicker Bereich immer die Landwirtschaft und das Autowerk Ludwigsfelde an der Spitze.
Der Heimatverein hat sich entschlossen, dieses Buch auf Grund vieler konkret benannter Personen nicht online zu stellen. Es ist ein Zeitdokument unseres Kreises Zossen.
2023 05 15 bl Buch
2023-07-04
2003-07-04 Wie 1926 der Zossener Männergesangsverein Geld in die Kasse spülte
berichtet die Berliner Gastwirts - Zeitung vom 6. Februar 1926
„Von einem eigenartigen Geschäftsgebaren wird uns aus Z o s s e n berichtet: Der dortige Gesangsverein der vereinigten Männerchöre wollte eine Festlichkeit mit Tanz veranstalten und trat zu diesem Zweck an mehrere Saalbesitzer heran, die den Saal k o s t e n l o s zur Verfügung stelle und außerdem noch 50 M. in bar hinzugeben sollten. Nach mehreren Versuchen gelang es der Vereinigung endlich, einen Saalbesitzer zu finden, der auf ihre Bedingungen einging. Der Wirt durfte dann an die Teilnehmer der Festlichkeit k e i n B i e r und auch k e i n e S p i r i t u o s e n verabfolgen. Die Vereinigung hat vielmehr die Getränke, Bier in Genbinden und Spirituosen in Flaschen vom Wirt gekauft und an die Teilnehmer zu besonders hohen Preisen weiterverkauft, um Gelder für die Kasse zu sammeln. –
Man muß sich immer wieder wundern, welchen Z u m u t u n g e n heute der Gastwirt ausgesetzt ist. Nächstens soll er noch die Verköstigung gratis stellen. Jedenfalls darf gehofft werden, daß der Zossener Kollege aus dem unglaublichen Vorfall die einzig mögliche Lehre zieht und in Zukunft vorsichtiger ist.“
Was ist da eigentlich Verwerfliches daran, ist doch eine Win-win-Situation. Der Gastwirt hat verkauft und der Verein Geld in der Kasse.
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2025-05-20
2025-05-20 Gipsmodell der Burg Zossen im Museum "Alter Krug"
Das Museum "Alter Krug" Zossen hat ein neues Exponat in seiner Daueraustellung!
Der Heimatverein hat sogar 2025 eigens dafür ein "Burgzimmer" eingerichtet. Hauptatraktion des "Burgzimmers" ist die Präsentation des originalen Gipsmodells der Burg Zossen im 17. Jahrhundert. Es ist als ein Rekonstruktionsversuch im Maßstab 1:185 durch unser Vereinsmitglied Thomas Krause (Zossen) in den Jahren 2022 bis 2023 entstanden. Es ist das Ergebnis seiner beinahe zwei Jahre währenden Forschungs- und Modellbauarbeit. „Dieses Relief ist nicht nur so detailgetreu wie möglich von mir und der GOLEM - Kunst und Baukeramik GmbH modelliert worden, sondern … es vereint das Vorhandene mit dem Wahrscheinlichen und über allem wachte der Anspruch einer gewissen Ästhetik, — also meiner Vorstellung von Schönheit […]“
Zum ersten Mal wurde mit diesem Modell der Versuch unternommen, die ehemalige Burganlage aus den vorhandenen und bis dato bekannten Archivalien zu rekonstruieren. Th. Krause verquickt somit die noch heute vorhandenen Gebäude und Anlagen mit den verschiedenen historischen Zeichnungen und Beschreibungen. Er übertrug die unterschiedlichen Daten auf moderne Luftbilder, wertete archäologische Grabungsberichte aus, vermaß als Maurermeister die gesamte Anlage, rekonstruierte erstmals das Rondell und gab mit Bleistift auf Papier Stück für Stück dem „Wahrscheinlichen“ jene „Farben" — die im Modellbau durch ihm und unter seiner Regie durch GOLEM eindrucksvoll umgesetzt wurden.
Dieses Burgmodell erschuf Th. Krause auch als Initiator und Ideengeber des gesamten Burgprojektes für den Heimatverein „Alter Krug“ Zossen e. V. Die vom Heimatverein im März 2023 ins Leben gerufene Spendenaktion, die Ende 2024 sage und schreibe über 100 Klein- und Großspender für das Projekt gewinnen konnte, wurde von der Vereinsvorsitzenden Karola Andrae maßgeblich vorangebracht. Die abzurechnenden Kosten, die zur Entstehung des Werks einschließlich Bronzeguss und Sockelmodellierung entstanden waren, beliefen sich am Ende des Projektes auf ca. 43.000,00 € brutto. Am 18. Oktober 2024 wurde das Burgrelief auf dem Zossener Kirchplatz durch die Stadt Zossen und dem Heimatverein „Alter Krug“ Zossen e.V. bei Kaiserwetter feierlich eingeweiht.
Wir freuen uns auch auf die museale Zusammenarbeit mit dem Museum des Teltow, dessen Museumsleiter Silvio Fischer ist. Denn Dank unseres Vereinsmitgliedes Th. Krause ist das Miniature-Modell der Burg Zossen jetzt auch musealer Teil dessen Dauerausstellung. Hier ist die Burg und Feste Zossen für die Besucher des Museums territorialgeschichtlich gesehen bestens repräsentiert und hebt deren geschichtliche Bedeutung hervor.
Neu im Museum: Museum des Teltow TF
Hier die PDF zu Herunterladen: Vita zum Gipsmodell "Die Burg Zossen im 17. Jhdt."
Hier die PDF zum Herunterladen: Legende zum Rekonstruktionsversuch der Burganlage von Zossen
Nachgereicht:
Diese Darstellung zeigt das Wahrscheinlichste nach heutigem Kenntnisstand. Zentrale Elemente können durch zukünftige archäologische Untersuchungen bestätigt oder korrigiert werden.
Heimatliche Grüße
Thomas Krause
Zossen, 20.02.2026
"Vita zum Burgmodell" als PDF: Thomas Krause
"Legende zum Rekonstruktionsversuch" als PDF: Thomas Krause
Fotos/Text: Thomas Krause
Exponat im Museum Burgrelief 2025
2025-11-27
Adressbuch des Kreises Teltow 1927
Neues im Bestand des Heimatvereins
Adressbuch des Kreises Teltow 1927
Aus einem Nachlass einer ehemals eingesessenen Händlerfamilie in Zossen ist das Adressbuch des Kreises Teltow von 1927 zu uns gekommen. Herausgeber: „Druck und Verlag von Rob.Rohde G.m.b.H Berlin W 25“.
Das A4 große vier Zentimeter dicke Buch ist nun 100 Jahre alt und auch etwas lädiert. Eigentlich sollte es sofort zur Restauration, doch beim Durchblättern zeigte sich, dass genau bei Zossen eine Seite fehlt. Ein Hilferuf an andere Vereine und Heimatforscher wurde erhört. Gleich von zwei Stellen haben wir die fehlende Seite in Kopie erhalten. Diese werden wir nun mit einarbeiten lassen und anschließend das Buch im Museum „Alter Krug“ präsentieren.
Besonders interessant sind in diesem umfangreichen Nachschlagewerk die vielen werbenden Geschäfts-Anzeigen, Hinweise zu öffentlichen Einrichtungen und den vielen Orten selbst. Es sind hier alle Orte des Kreises Teltow verzeichnet, die nach der Bildung von „Großberlin“ zum 1. Oktober 1920 noch im Kreis Teltow verblieben sind. Für jeden Ort gibt es einen sehr informativen Einführungstext und Zeichnungen von Wilhelm Reichner. Er ist auch aus den Kalenderblättern in dem „Teltower Kreiskalendern“ bekannt.
Text: Karola Andrae
Foto: Archiv Heimatverein "Alter krug" Zossen
Deckblatt Adressbuch Kreis Teltow 1927 1
2025-12-28
2025-12-28 Heimatverein erhielt alte Bleistift-Zeichnung geschenkt
Die Reste der Bastion im Zossener Stadtpark waren und sind ein beliebtes Motiv
Dem Heimatverein wurde kürzlich durch Frau Monika Kattner aus Zossen eine gerahmte handgefertigte Bleistiftzeichnung auf Büttenpapier in der Größe 23 x 30 Zentimeter für das Burgzimmer im „Alten Krug“ übergeben. Es stammt aus dem Besitz der Familie und hing über Jahre hinweg mehr oder weniger unbeachtet in ihrem Haus. Nach genauer Ansicht kann man am unteren rechten Rand die Signierung RM erkennen. Es lässt sich vermuten, dass die Zeichnung aus der Feder von Regina Multrus stammt. Sie ist vielen ehemaligen Zossenern Schülern aus den 1960-ern noch als Lehrerin bekannt. Viele der Ehemaligen erinnern sich noch heute anerkennend an ihr zeichnerisches Geschick, was sie einst auch den Schülern näherbrachte. In so manch einem Haushalt befinden sich noch heute Zeichnungen von ihr. Der recht dicke goldfarbene Bilderrahmen und die Einrahmung selbst lassen auf die Firma Fotofreund Scheike schließen, die sich in der heutigen Baruther Straße befand. Das Bild wird nun seinen neuen Platz im Heimatmuseum finden. Der Verein bedankt sich ganz herzlich bei Monika Kattner.
Text: Karola Andrae
Foto: Klaus Andrae
im Bild: siehe Text