2019-10-19 Vortrag „Von Augenpulver, Typenfängern und Zwiebelfischen“
In ihren einleitenden Worten hob Karola Andrae hervor, dass diese Veranstaltung das erste Ergebnis einer vereinbarten engeren Zusammenarbeit zwischen dem Heimatverein und dem Verein Bildung und Aufklärung in Zossen (BAZ) e.V. sei. Kurt Liebau ist Vorstandsmitglied im BAZ e.V. Kurt Liebau forscht seit Jahren zur Heimatgeschichte Zossens, insbesondere in der Zeit vom ausgehenden 19. Jahrhundert bis in die Nachkriegszeit nach dem II. Weltkrieg im 20 Jahrhundert. So ist er maßgeblich an der Erforschung des jüdischen Lebens in Zossen beteiligt gewesen auf deren Ergebnissen auch die Verlegung von Stolpersteinen in Zossen beruhte. Zu seinem Spektrum gehört aber auch die Erforschung der Anfänge der Arbeiterbewegung in Zossen und damit verbunden der Industrie und des Handwerks. In seinem Vortrag „Von Augenpulver, Typenfängern und Zwiebelfischen“ beschäftigte sich Kurt Liebau mit der Geschichte des Druckereiwesens in Zossen. Er spannte in seinem Vortrag einen Bogen von den ersten Druckereien bis zum Niedergang des Druckereiwesens in Zossen. Zunächst klärte er über die Begriffe Augenpulver, Typenfänger und Zwiebelfische auf. Danach bezeichnet Augenpulver in der Typografie eine besonders klein oder eng gesetzte und damit schwer lesbare Schrift, Typenfänger seien in der Fachsprache der Drucker die Setzer und Zwiebelfische würden Schriftsetzer durcheinanderliegende, ungeordnete Schrifttypen nennen. Sehr detailreich schilderte er warum die ersten Druckereien in Zossen entstanden sind. Er zeigte auf welche Unternehmer in welcher Reihenfolge die Druckereien führten. Zur Produktpalette der Zossener Druckereien gehörte im Grunde genommen alles, was sich irgendwie drucken ließ, Zeitungen, Dissertationen, Bücher, Ansichtskarten bis hin zu aufwendigen Kunstdrucken. Als eine sichere Finanzierungsquelle galt der Druck von amtlichen Bekanntmachungen in Wochenzeitungen wie dem Stadt- und Landboten und dem Zossener Allgemeiner Anzeiger. Breiten Raum nahm dann die Geschichte der Zossener Großdruckerei in der Stubenrauchstraße (Deutsche Buch- und Kunstdruckerei und später Berliner Buch- und Kunstdruckerei) ein. In diesem Zusammenhang stellte Kurt Liebau einige grundlegende technische Entwicklungen des Buchdrucks vor. An Hand von Fotos zu den einzelnen Setzverfahren wie Monotype, Linotype und dem Rotationsdruck handelte Kurt Liebau die technologischen Abläufe in den damaligen Druckereien vom Satz über Druck bis zur Auslieferung ab. Bereits in den ersten Abschnitten seines Vortrages riss Kurt Liebau auch die Zusammenhänge zwischen der Entwicklung des Druckereiwesens und den gesellschaftlichen und politischen Umbrüchen in der Zeit vom ausgehenden 19. Jahrhundert bis in die Nachkriegszeit im 20. Jahrhundert an. Die Reihe Bücher des Hauses umfasst mehrere Bände und wurde in Zossen gedruckt Musterpostkarte, Prinz Heinrich von Preußen, gedruckt in Zossen Illegal gedruckt: Bericht Gründungsparteitag KPD (Faksimile) und Aufruf zum Streik gegen den Kapp-Putsch 1920 Die hohe Kunst des Buchdrucks Mit den Druckern, Setzern und Hilfskräften der Großdruckerei kam Bewegung in das bis dahin beschauliche konservative Städtchen Zossen. In den Druckereien herrschten klare Hierarchien zwischen Druckern, Setzern und Hilfskräften. Zur Durchsetzung ihrer Interessen gegenüber dem Unternehmen gründeten sie Ortsvereine als Teil der jeweiligen Gewerkschaften. So kam es auch zur Bildung der ersten deutschlandweiten Tarifgemeinschaft zwischen Buchdruckerverband und dem Verband der Druckereibesitzer.. Und was Zossen bisher überhaupt nicht kannte, geschah 1903: Die Buchbinder und Hilfsarbeiter der Druckerei streikten. Am 1. Mai 1902 demonstrierten Drucker von ihrer Druckerei in das Lokal in den Weinbergen, wo sie ihrer Maifeier abhielten. Am 8. Februar 1903 wurde der erste Ortsverein der SPD gegründet. Später druckten die Druckereiarbeiter in Zossen auch illegal unter anderem Dokumente der SPD und der KPD sowie den Aufruf zum Generalstreik während des Kapp-Putsches 1920. Konnten die Druckereien während des Ersten Weltkrieges wegen der Einberufung der Arbeiter in den Kriegsdienst bereits Mühe, den Betrieb aufrecht zu erhalten, so leitete die Weltwirtschaftskrise den allmählichen Niedergang des Druckereiwesens in Zossen ein. Auch wegen der Gleichschaltung der Druckmedien in der Zeit des Faschismus mussten einige Druckereien ihren Betrieb einstellen. Da der Vortrag nur einen Ausschnitt der Forschungsergebnisse darstellt und nur einen begrenzten Personenkreis der Besucher zugänglich gemacht wurde, sollte darüber nachgedacht werden, eine ausführliche Dokumentation in gedruckter oder digitaler Form der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Text und Fotos: Dr. Rainer Reinecke zurück zu Chronik
Die Reihe Bücher des Hauses umfasst mehrere Bände und wurde in Zossen gedruckt
Die Reihe Bücher des Hauses umfasst mehrere Bände und wurde in Zossen gedruckt
Musterpostkarte, Prinz Heinrich von Preußen, gedruckt in Zossen
Musterpostkarte, Prinz Heinrich von Preußen, gedruckt in Zossen
Illegal gedruckt: Bericht Gründungsparteitag KPD (Faksimile) und Aufruf zum Streik gegen den Kapp-Putsch 1920
Illegal gedruckt: Bericht Gründungsparteitag KPD (Faksimile) und Aufruf zum Streik gegen den Kapp-Putsch 1920
Die hohe Kunst des Buchdrucks
Die hohe Kunst des Buchdrucks
2019-10-14
2019-10-14 Film zur Militär- und Heimatgeschichte von Wünsdorf
Jürgen R. Heinrich hat Fotos aus der Militär- und Heimatgeschichte zu einem informativen Film zusammengestellt. Fotos von gleichen Orten zu unterschiedlichen Zeiten aufgenommen, zeigen die Veränderungen, die sich vor allem wegen der Militärgeschichte Wünsdorfs vollzogen haben. Für die Arbeit des Hobbyhistoriker und Hobbyfilmers interessierten sich so viel Besucher, dass noch zusätzlich Stühle herbeigeschafft werden mussten. Schon lange vor der Verstanltung trafen sich die Besucher zu einem Plausch bei Kaffee und Kuchen. Am Schluss der Veranstaltung übergab die Vorsitzende des Heimatvereins Karola Andrae den noch druckfrischen ersten Heimatkalender für das Jahr 2020. Plausch bei Kaffee und Kuchen Wieder volles Haus Wünsdorf und seine Geschichte Karola Andrae bedankt sich bei Herrn Heinrich Text und Fotos Dr. Rainer Reinecke Zurück zu Chronik
Plausch bei Kaffee und Kuchen Wieder volles Haus
Plausch bei Kaffee und Kuchen Wieder volles Haus
Wünsdorf und seine Geschichte Karola Andrae bedankt sich bei Herrn Heinrich
Wünsdorf und seine Geschichte Karola Andrae bedankt sich bei Herrn Heinrich
2019-08-31
2019-08-31 Der "Alte Krug" vor der Grundsanierung
Sichtlich bewegt verkündet Karola Andrae die Schließung des „Alten Kruges“ für die geplante Grundsanierung. Das letzte Mal vor der Sanierung wurde noch einmal die Schwarze Küche in Gang gesetzt. Leichte Rauchschwaden durchzogen die Küche, während Museumsleiter Klaus Andrae die Bockwürste auf dem Herd wärmte. Dank der Helfer standen auch ausreichend Kuchen und Getränke zur Verfügung. Zum Abschluss spielte eine Gruppe der Jagdhornbläser auf. Am Montag werden ehrenamtliche Helfer damit beginnen, den „Krug“ auszuräumen. Eigentlich soll der Krug bis zum Stadtfest im September 2020 saniert sein, jedoch Karola Andrae meldet angesichts des Zustandes des Gebäudes daran Zweifel an. Seine Veranstaltungen wird der Heimatverein in den Räumlichkeiten im Fachwerkhaus Marktplatz 7 oder im Gemeindesaal durchführen. Zwei Veranstaltungen werden noch im Krug stattfinden bevor der Krug für geraume Zeit geschlossen wird. Text und Fotos: Dr. Rainer Reinecke Zurück zu Chronik
2019-07-23 Dieter Frambach verstorben 1994 Dieter Frambach übergibt Dokumentation über Baufortschritte am „Alten Krug“ an Ministerpräsident Manfred Stolpe Dieter Frambach verstarb am 23. Juli. Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern des Heimatvereins „Alter Krug“ Zossen e.V. und war bis zu seinem Austritt 2009 dessen Mitglied. Mit seinem Kampf um die Erhaltung des „Alten Kruges“ hat er sich unauslöschlich in die Geschichte des heute denkmalgeschützten Gebäudes eingeschrieben. Dafür sei ihm zum Abschied noch einmal herzlich gedankt.
1994 Dieter Frambach übergibt Dokumentation über Baufortschritte am „Alten Krug“ an Ministerpräsident Manfred Stolpe
2019-07-21 Klaus Voeckler verstorben Gudrun Haase: Klaus Voeckler - Heimatforscher und Buchautor Am 21. Juli 2019 verstarb Klaus Voeckler im Alter von 79 Jahren. Mit ihm verlieren wir den Menschen, der sich in jahrelanger akribischer Forschung ein enormes Wissen über die Geschichte der Stadt Zossen und der umliegenden Dörfer angeeignet hatte. Als Mitbegründer und Mitglied des Vorstandes vom Heimatverein Zossen hat er dieses Wissen so eingesetzt, dass wir alle von diesen seinen Erkenntnissen in Dokumentationen und Vorträgen vieles über das Leben in vergangenen Jahrhunderten erfahren konnten. Seine Publikationstätigkeit begann mit der gemeinsam mit Uwe Stuck verfassten Historie "Zossen ein märkisches Städtchen", 1996 vom Heimatverein Zossen herausgegeben.
2019-05-18
2019-05-18 Spitzenausstellung eröffnet
Dieses Stück ist nicht, wie ursprünglich vermutet, eine Tischdecke, sondern die Rostflecken am oberen Rand deuten darauf hin, dass es als Vorhang gedient haben muss. Pünktlich 14:00 Uhr eröffnete die Vorsitzende des Heimatvereins, Karola Andrae, die Ausstellung. Sie habe sich gedacht, das nach so viel Männerdominanz bei Arbeiten und Ausstellungen es an der Zeit sei, auch einmal ein Frauenthema auszuwählen. Die ausgestellten Häkeleien und andere Handarbeiten, stammten fast ausschließlich von Karola Andrae selbst. Sie stammen aus Erbschaften von ihrer Mutter, ihrer Schwiegermutter und der Tante ihres Ehemanns. In einer Vitrine sind auch Stücke aus dem Schulmuseum zu sehen. Laut WIKIPEDIA, so Karola Andrae, sei Häkeln eine viel jüngere Technik als das Stricken. Erst nach 1800 habe diese Technik Verbreitung gefunden. Hier hakte Gudrun Haase, Leiterin des Schulmuseums ein. „Superintendent Bauer, Schulinspektor in Zossen hat bereits 1800 als mögliche Tätigkeit in der Industrieschule Zossen aufgezeigt.“ Das heißt die Handarbeitstechnik muss da schon bekannt gewesen sein. Karola Andrae gab dann noch eine Anekdote am Rande zum Besten. Vereinsmitglied Joachim Jacob habe ihr einige der hier ausgestellten Häkelzeitschriften übergeben. Zwischen diesen habe sie das Programm der SPD von 1989, unterzeichnet von Steffen Reiche gefunden. Karola Andrae hat nicht nur die Ausstellungsstücke vorgestellt, sondern kannte sich auch in den verschiedenen Techniken und Anwendungsmöglichkeiten aus, so verwies sie auch bei einer langbeinigen Unterhose, auf die Rüschen um die Beine gehäkelt waren, die das Teil sexi erscheinen lassen sollte. Frau Spuler kommentierte, dass diese Hosen auch eine Öffnung am Hinterteil aufwiesen, was bestimmt sehr praktisch gewesen sei. Zu DDR-Zeiten habe es lange Zeiten die ICH-Häkelnadeln gegeben bis auf Beschluss des Rates für Gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) die Maschinen in die CSSR abgegeben wurden. Bald kamen keine Metallhäkelnadeln mehr in den Handel. Plastikhäkelnadeln, die sich aber kaum zum Häkeln eigneten, sollten sie ersetzen. Wer konnte, besorgte sich jetzt Nadeln aus dem Westen. Vielleicht schickte er als Dank ein umhäkeltes Taschentuch nach drüben, denn dies passten in einen Briefumschlag so Andrae. Später konnten die Häkelnden diese auch im Intershop erwerben. So widerspiegelt sich auch in einer Ausstellung über das Häkeln auch ein Stück Zeitgeschichte von 1800 bis in die Neuzeit. Text und Fotos: Dr. Rainer Reinecke zurück zu Chronik
Dieses Stück ist nicht, wie ursprünglich vermutet, eine Tischdecke, sondern die Rostflecken am oberen Rand deuten darauf hin, dass es als Vorhang gedient haben muss.
2019-05-11
2019-05-11 Kulturhistorische Frühwanderung
Am Sonnabend, den 11. Mai 2019, pünktlich um 7 Uhr begrüßte die Vorsitzende des Heimatvereins, Karola Andrae, die siebzehn Wanderfreunde und den diesjährigen Wanderführer Detlef Polley. Schwerpunkt der diesjährigen Wanderung waren die Standorte der ehemaligen Kriegsgefangenenlager an der Glienicker Straße und an der Rangsdorfer Straße als Außenlager des Stammlagers IIIA in Luckenwalde. Gedachten die Teilnehmer der Frühwanderung 2018 am Ende der Wanderung auf dem Friedhof in Schöneiche der in den letzten Kriegstagen gefallen deutschen Soldaten, vor allem der jungen Menschen als Volkssturmkämpfer, so stand dieses Mal das Schicksal der Kriegsgefangenen aus vielen Nationen im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Schon der Ausgangspunkt, die Brückenpfeiler, die einmal eine Brücke über die Glienicker Straße tragen sollten, war geschichtsträchtig. Hierüber sollte der Güterverkehrsaußenring verlaufen, damit Hitlers „Germania- Hauptstadt“ entlastet wird. Zunächst habe die Reichsbahn das Projekt selbst in Angriff genommen, so Polley, dann sei es wegen Materialengpässen erst einmal zum Stillstand gekommen, bis später Kriegsgefangene die Trasse weiterbauten. Welche Kriegsgefangenen eingesetzt wurden hing auch vom Verlauf des Krieges ab, erst die polnischen Gefangenen, später dann Belgier, Franzosen, nach dem Überfall auf die Sowjetunion Soldaten der Sowjetarmee und ab 1943, als Italien aus dem Bündnis mit Hitlerdeutschland ausschied, auch Italiener. Die Kriegsgefangenen wurden in verschiedene Kategorien eingeteilt, danach richtet sich dann auch der Bewachungsschlüssel. Am schlimmsten traf es die sowjetischen Kriegsgefangenen, für sie wurde die Haager Landkriegsordnung und die Genfer Konventionen nicht angewandt. So wies Detlef Polley gleich zu Beginn seiner Ausführungen darauf hin, dass im i. Weltkrieg 6,7 Prozent der Kriegsgefangen aus Russland in Kriegsgefangenenlagern umgekommen seien, im II. Weltkrieg dagegen 57,5 Prozent der sowjetischen Kriegsgefangenen. Dies hing offensichtlich auch mit der Rassenideologie der Faschisten zusammen, nach der die slawischen Untermenschen ausgerottet werden sollten. Die Geheime Staatspolizei (Gestapo) führte in den Lagern oft Razzien auf der such nach russischen Kommissaren, die dann sofort hinzurichten waren und Juden durch. Am Standort des sogenannten Wlassow-Lagers Luftbildaufnahme des Lagers Im Kriegsgefangenenlager an der Glienicker Straße dagegen seien Kriegsgefangene der Sowjetarmee untergebracht gewesen, die unter General Andrei Andrejewitsch Wlassow bereit waren gegen Stalin zu kämpfen. Sie wurden Teil der "Russkaja Oswoboditelnaja Armija" (ROA) – Russischen-Befreiungs-Armee. Sie genossen viele Privilegien, durfte sich auch frei in der Gemeinde bewegen. So kam es auch zu Liaisons mit einheimischen Frauen. Sie traten auch mit blasmusik vor der Gemeindevertretung zu verschiedenen Anlässen auf. Aufgrund des gegenseitigen Auslieferungsabkommens von Jalta wurde General Wlassow mit vielen seiner Gefolgsleute, die nicht rechtzeitig untergetaucht waren, an die Sowjetunion verbracht und nach kurzem Prozess in der berüchtigten Lubljanka hingerichtet. Auf den von Detlef Polley gezeigten Luftbildaufnahmen vom April 1945 ließen sich die Standorte der beiden Lager und der darauf befindlichen Baracken sehr genau bestimmen. Die Baracken wurden aus vorgefertigten Teilen zusammengesetzt, die im KZ Neuengamme und Litzmannstadt (Łódź), später zwischen Königs Wusterhausen und Senzig gefertigt wurden. Entlang der Überreste des aufgeschütteten Bahndamms führte der Weg auch vorbei an dem vom Verfall bedrohtem ehemaligen Mitsubishi-Gelände, an der ehemaligen Notkirche von Dabendorf in der auch Hochzeiten gefeiert wurden und Konfirmationsunterricht stattfand. Am Abzweig zu den Fichtenkaveln wurde über das Leben und Werk des Zossener Malers Jürgen Melzer gesprochen der hier wohnt und auch sein Atelier hat. Verweis auf Mitsubishi-Hotel Gebäude im Hintergrund - ehem. Notkirche Luftbild Lager Rangsdorfer Straße Detlef Polley über das Schicksal der Gefangenen Nachdem auch der Standort des zweiten Kriegsgefangenenlagers aufgesucht war, führte der Weg zum Hof der Familie Kunze, die die Teilnehmer sehr herzlich empfing und für eventuell schlechtes Wetter sogar ein Festzelt aufgestellt hatte. Selbstgebackener Kuchen, der Duft von Kaffee, Bockwurst und Brötchen stärkten die Wanderer wieder. Über zehn Jahre forscht Detlef Polley zur Geschichte von Dabendorf. Er hat dabei auch viele der noch verbliebenen Zeitzeugen aus jener Zeit befragt und konnte so sehr detailreich vieles widergeben, was sonst verlorengegangen wäre. Danach befragt, woher denn sei Interesse für die Geschichte gekommen sei, antwortete er: In der vierten Klasse der Schule hat die Sekretärin des Schulleiters gefragt, wer denn gern bei der Erkundung von Dabendorf mitmachen würde. Ich war sofort dabei in der nun gegründeten Arbeitsgemeinschaft. Da hatte ich mir schon vorgenommen mich später noch einmal damit ernsthaft zu beschäftigen. Für alle, die mehr zur Geschichte der Kriegsgefangenenlager wissen möchten, verwies Detlef Polley auf das Heimatkunde Museum in Luckenwalde. Dort befinden sich ein Gedenkraum und ein Archiv. Als lesenswert empfahl Detlef Polley: Moritz Pfeiffer: Mein Großvater im Krieg 1939-1945: Erinnerung und Fakten im Vergleich. Text und Fotos: Dr. Rainer Reinecke zurück zu Chronik
Am Standort des sogenannten Wlassow-Lagers Luftbildaufnahme des Lagers
Am Standort des sogenannten Wlassow-Lagers Luftbildaufnahme des Lagers
Verweis auf Mitsubishi-Hotel Gebäude im Hintergrund - ehem. Notkirche
Verweis auf Mitsubishi-Hotel Gebäude im Hintergrund - ehem. Notkirche
Luftbild Lager Rangsdorfer Straße Detlef Polley über das Schicksal der Gefangenen
Luftbild Lager Rangsdorfer Straße Detlef Polley über das Schicksal der Gefangenen
2019-04-27
2019-04-27 Hegeausstellung eröffnet
Pünktlich um 14 Uhr eröffneten die Jagdhornbläser der Jagdgesellschaft Horstfelder See mit dem Anblasen die Hegeschau im "Alten Krug" Da ich zwar die Natur liebe, jedoch wenig mit Hege und Jagd zu tun habe und nicht viel darüber weiß, außer vielleicht, dass Wildbraten sehr gut schmecken kann, habe ich die Gelegenheit genutzt und den Vorsitzenden der Jagdgesellschaft Horstfelder See, Dieter Steuer, einige Fragen gestellt: Dieter Steuer Was hat Sie bewogen, in diesem Jahr die Hegeschau im „Alten Krug“ zu veranstalten: Ich bin selbst Mitglied des Heimatvereins und kenne auch Klaus Voeckler sehr gut, da liegt eine solche Überlegung nahe. Außerdem veranstaltet Thoma Oelschläger hier auch seine Neujahrsjagd. Das Ambiente hier ist auch ideal für das Streckelegen und Verblasen. Wie viele Mitglieder hat die Jägerschaft Horstfelde? Wir sind zurzeit 60 aktive, alles erfahrene Jäger. Der größte Teil kommt aus Zossen und seinem Umfeld. Wie viele Jagdreviere gehören zu ihrem Jagdgebiet? Zwölf, davon 6 in Zossen, wobei eines noch einmal unterteilt ist, 1 Schöneiche, 1 in Nächst Neuendorf, 1 Horstfelde, 1 in Schünow, welches ebenfalls noch einmal unterteilt ist. Werden die Jäger oder die Jagdgesellschaft auch angefeindet? Es gibt keinen massiven Widerstand oder gar bewusste Behinderung der Jagd. Dennoch sollten wir mit der Bevölkerung stärker ins Gespräch kommen. Gerade bei Neubürgern, die aus der Stadt aufs Land ziehen, gibt es oft sehr viel Unwissenheit wie hier mit der Natur am besten umzugehen ist. Die Jäger sind eng mit der Natur verbunden. Hege, Pflege und auch Jagd sind für den Erhalt unseres natürlichen Umfeldes einfach notwendig. Sie sprachen davon, dass in der Jagdgesellschaft alle sehr erfahrene Jäger sind, hat die Jagdgesellschaft denn auch genügend Nachwuchs? Ja, da sind zum einen die Kinder der Jäger und zum anderen stoßen auch andere junge Interessierte zu uns. Heute hat die Jagdgesellschaft ihre Jahresabschlussveranstaltung, warum erst in April? Das Jagdjahr geht immer vom 1. April jedes Jahres bis zum 31. März des Folgejahres. Deshalb jetzt unser Jahresabschlussveranstaltung. Wird es auch Auszeichnungen geben? Ja, nach zwei Kategorien. In der ersten Kategorie wird die Hege von Schwarzwild und Frischlingsklasse bewertet. In der zweiten Kategorie die Hege von Raubwild, hauptsächlich von Waschbären und Füchsen. Dafür erhalten dann die Jäger die Hegemedaille. Die Waschbären werden für Zossen übrigens zu einem Problem. Auf ca. 100 ha haben wir innerhalb kurzer Zeit mit der Fallenjagd 64 Tiere erlegt. Die Ausstellung läuft ja noch einige Zeit, was ist als nächstes vorgesehen? Am 1. Mai wird die Bockjagd eröffnet, da werden wir hier auf dem Gelände des „Alten Kruges“ um 08.00 Uhr Strecke legen und das wild verblasen. 1. Mai ab 13.00 Uhr ist für alle, auch für Gäste Backschweinessen angesagt. Vielen Dank für dieses Interview Aus der Hegeausstellung Ergebnisse des Jagdjahres 2018/2019 Rotwild 1, Damwild 9; Rehwild 170; Sauen 312; Fuchs 80; Waschbär 132 Dachs 11, Enok 23; Steinmarder 9; Nebelkrähe 10; Elster – Graugans 4; Saatgans 5; Blässgans 3; Stockente 13; Ringeltaube 3; Fasan 10. Da ich mit „Enok“ nichts anzufangen wusste, fragte ich noch einmal nach. Bei dem Enok handelt es sich um einen Marderhund. Text und Fotos: Dr. Rainer Reinecke zurück zu Chronik
Dieter Steuer
Aus der Hegeausstellung
Aus der Hegeausstellung
2019-03-30
2019-03-30 Porzellanmanufakturen in Moabit
Vorsitzende Karola Andrae und Jürgen Krüger begrüßen die Gäste Der Heimatforscher Jürgen Krüger, in diesem Fall besser der Porzellanforscher Jürgen Krüger, beschrieb in seinem Vortrag die Geschichte der Porzellanmanufaktur in Moabit. Genauer der einer der vier Porzellanmanufakturen, die in Moabit im 19. Jahrhundert existierten. Mit dem ersten Bild knüpfte er an seinen Vortrag aus dem Vorjahr über Georg Heinrich Beußel als streitbaren Gutsbesitzer an. Dieses Bild zeigt ein Porzellangefäß, auf dem das Gutshaus Beußel abgebildet ist. Napoleon und Porzellanmanufakturen Napoleon hatte 1805 weite Teile Preußens besetzt. Frankreich war durch die Französische Revolution in Fragen der Freiheitsrechte Preußen um einige Zeit voraus. Karl Freiherr vom Stein und nach ihm Karl August Fürst von Hardenberg entwickelten als Reaktion auf die Niederlage Preußens gegen Napoleon in der Schlacht bei Jena und Auerstedt im Jahr 1806 Reformen für das preußische Staatswesen, Darunter auch die Einführung der Gewerbefreiheit. Diese Reform richtete sich vor allem gegen Restriktionen des Zunftwesens und der Ständegesellschaft. Jetzt konnte jedermann ein Gewerbe gründen. „Ohne die Niederlage Preußens gegen Napoleon wäre die Gründung der Schumann Manufaktur nicht denkbar gewesen“, so Krüger. Familien und Manufakturgeschichte Jürgen Krüger, der selbst leidenschaftlich Porzellan der Schumannschen Manufaktur sammelt, begeisterte trotzt seines ruhigen und sachlichen Vortrags die Zuhörer für seine Leidenschaft. Obwohl die Stücke seiner Sammlung sicherlich sehr wertvoll sind, werden sie bei besonderen Anlässen, so unter anderem beim Treffen der Porzellanfreunde, als Service für guten Kaffee und kulinarische Speisen genutzt. Gerade so wie etwa auch die Schumanns diniert haben mögen. Da nun Gewerbefreiheit herrschte experimentierte der Seifensieder Johann Ferdinand Schumann (1827 – 1841) bereits auf den Gütern Kehnert und Uetz nördlich von Burg mit der Herstellung von Porzellan, bevor er Berlin bevorzugte. Er erwarb eine Brachfläche in Alt Moabit und errichtete eine Porzellanmanufaktur. Bald entstand so für die staatliche KPM ein ebenbürtiger Konkurrent. 1835 übernahm bis zu seinem Tod der Sohn Friedrich Adolph Schumann (1808-1851) die Firma. 1847 arbeiteten bis zu 600 Arbeiter in der Manufaktur. Das waren mehr als bei KPM. Produziert wurde alles, was sich als Porzellan formen und brennen ließ. Ab 1850 gründeten ehemalige Mitarbeiter von F. Schumann eigene Manufakturen. 1853 darunter auch Karl Schomburg, den F. Schumann als Porzellanmaler einst von KPM abgeworben hatte. Jedoch nicht nur die innere Konkurrenz, sondern auch veränderte Konkurrenzbedingungen machten der Manufaktur zu schaffen. Galt bisher möglichst nahe beim Kunden zu produzieren, damit das Transportrisiko so gering wie möglich gehalten wurde, dafür jedoch längere Transportwege für die Rohstoffe in Kauf zu nehmen, kehrt sich dies mit der Eisenbahn um. Jetzt hatten jene Manufakturen Konkurrenzvorteile, die sich nahe den Rohstoffen etablierten. Man stelle sich stelle sich vor, Porzellan würde in den Zossener Weinbergen mit Pferdefuhrwerken transportiert. Viel bliebe da nicht übrig. Jedoch auf fast rüttelfreien Schienenwegen ist bei guter Verpackung das Risiko fast null. Besucher und ihr Porzellan Ein Besucher hat Teile eines 48 teiligen Services mitgebracht, welches auf der Unterseite mit Schuhmann gestempelt war. Wie der Fachmann aber aufklärte, stammte es aus einem der Geschäfte, die den Namen Schumann tragen durften. Aber immerhin wies es den Schumannschen barocken Rand, die sogenannte Moabiter Kante auf. Diese wurde aber bald von anderen Manufakturen wegen des Erfolgs bald nachempfunden. Eine Besucherin konnte zwei Teller französischen Porzellans vorwiesen. Jedoch ein Besucher hatte tatsächlich einen Teller aus der Manufaktur Schumann vorweisen können. Doch dieser war bereits stark Spülmaschinengeschädigt. Ganz anders dagegen einige Stücke, die Jürgen Krüger zur Ansicht ausstellte. Zum Schluss noch ein Ostergruß Text und Fotos: Dr. Rainer Reinecke Weitergehende Informationen: Dietmar Jürgen Ponert und Marion Webers-Tschiskle Die Porzellanmanufaktur F. A. Schumann in Moabit bei Berlin ISBN 3-89433-172-0 F. A. Schumann https://de.wikipedia.org/wiki/F._A._Schumann_Berlin zurück zu Chronik
Vorsitzende Karola Andrae und Jürgen Krüger begrüßen die Gäste
Zum Schluss noch ein Ostergruß
2019-03-19
2019-03-19 Frühjahrsputz im "Alten Krug"
Klar Schiff gemacht 16 Vereinsmitglieder und der Staub des Winters trafen sich am 6. und 13. März 2019 zum traditionellen Frühlingsputz im „Alten Krug“. Mit viel Elan, Besen und Wischwasser ging es dann dem Winterstau an den Kragen und die letzten Reste der Herbstblätter wurden auch eingefangen. Der „Alte Krug“ hat immerhin 4 Zimmer Küche und 2 Flure und 600qm Grundstück, 600qm Parkplatz und auch noch das Nebengelass mit Toilettenanlage Küche und Vorbereitungsraum. Das ist schon sehr heftig. Alles mußte abgestaubt werden , die Auslagen neu sortiert, die Fenster geputzt und die Böden gewischt. Zusätzlich wurde noch eine riesen Menge Garten- und Laubabfälle aufgeladen und abgefahren. Seit vielen Jahren treffen sich zu diesem Tag die Mitglieder. Nach getaner Arbeit bleibt noch immer Zeit für einen Imbiss und ein Schwätzchen. Nach getaner Arbei t Mit der Putzaktion ist dann auch immer die neue Saison eröffnet. Ab 20. März 2019 ist der Krug wieder geöffnet. Texte und Foto: Karola Andrae zurück zu Chronik
Nach getaner Arbei t
2019-02-09
2019-02-09 "Bolle bietet Bestes"
Karl-Heinz Bannasch, Vorsitzender des Spandauer Geschichtsvereins, breitete vor den Besuchern der Veranstaltung die Geschichte der Person Carl Bolle und seiner Firma aus. Doch bevor er loslegte, verließ er noch einmal den Raum, um noch etwas aus dem Auto zu holen. Diese Zeit nutzte Vereinsvorsitzende Karola Andrae, um auf die nächsten Veranstaltungen anzukündigen. Dann erschien Karl-Heinz Bannasch mit Frack, Zylinder, Stock und natürlich mit der Bolle-Klingel, fehlte nur der Bart. Frack und Stock seien Originale aus der Zeit des Carl Bolle, so Bannasch. Carl Andreas Julius Bolle (* 1. September 1832 in Milow; † 28. September 1910 in Berlin) der Gründer und Besitzer der traditionsreichen Meierei C. Bolle, wurde als sechstes Kind der Familie Andreas Bolle und dessen zweiter Ehefrau geboren. Der Vater ertrank als Carl Bolle vier Jahre alt war in der Havel, seine Mutter verstarb wenig später. Nach einer Lehre als Maurer ging er mit 19 Jahren auf Wanderschaft. Er erkrankte jedoch so sehr, dass er heimkehren musste. Im Folgenden einige Episoden aus dem Vortrag: Bolle und Religion In Milow nahm sich der Pfarrer Bolles an und unterrichtete ihn in Mathematik und Latein und natürlich in Religion. Carl Bolle wurde zu einem tiefgläubigen Menschen, der sich später vor allem auch für seine Angestellten sozial engagierte. So entstand ein sehr widersprüchliches Bild auf der einen Seite ließ er Kinder für sich arbeiten, auf der anderen Seite sorgte er auch für Ferienaufenthalten. Auch Seine Angestellten, die immer unter hohem Leistungsdruck standen, konnten in einer seiner Villen Urlaubstage verbringen. Diese Widersprüchlichkeit lässt sich nur aus der Zeit heraus verstehen. Für seine Angestellten war der samstägliche Gottesdienst verpflichtend. Dazu hatte C. Bolle extra einen evangelischen Pfarrer eingestellt und eine eigene Kapelle errichtet. Wer zum Gottesdienst nicht erschien musste mit eine Lohnabzog von 50 Pfennig bis 1 Mark bei einem Wochenverdienst von 3,90 Mark rechnen. Mokka - Milch - Eisbar Die Mokka - Milch - Eisbar vielleicht undenkbar ohne den ersten von C. Bolle gegründeten Milchgraten. Foto Bolle Festschrift 1961 nach Internetauszug Bauernkredite und Milchpreise C. Bolle gewährte den Bauern Kredite für notwendige Investitionen, brachte so die Bauern hinter sich und erhielt bald eine Monopolstellung bei der Milchabnahme. So diktierte er dann auch die Milchpreise. Als die Bauern dies nicht mehr akzeptieren wollte versuchte Bolle Milch von Böhmischen Bauern zu bekommen. Dies schlug jedoch fehl, so dass die einheimischen Bauern ihre Einkommen aus dem Milchverkauf etwas aufbessern konnten. Entstehende Ähnlichkeiten zu heute sind nicht zufällig. Frischmilchtransport aus den umliegenden Dörfern eine logistische Herausforderung Angefangen hatte alles 1881 mit drei Bolle-Wagen, Pferdewagen mit Zentrifuge. Die in Frankreich vorhandenen Zentrifugen wurde durch C. Bolle gemeinsam F oto Bolle Festschrift 1961 nach Internetauszug mit den Firma Linde und Diesel so weiterentwickelt, dass Frischmilch auch noch Frischmilch war als sie von den Dörfern aus 200 km Umkreis in Berlin ankamen. 1910 fuhren bereits 250 Milchwagen mit Kutscher und Milchmädchen von den Dörfern durch Berlins Straßen. Um die Jahrhundertwende fuhren Bolles erste Elektroautos durch Berlin. Deren Motoren liefen bis zu vier Stunden. Milchmädchen und Milchmädchenrechnung Die Milchmädchen auf den Bolle-Wagen hatten Berliner Schnauze und einen harten Job. Mit ihrem Mundwerk warben sie für Bolle-Milch. Da sie viel herumkamen, schnappten sie auch vieles auf, was hier und da geschah und gaben vor allem Klatsch und Tratsch weiter. Sie mussten die Pferde versorgen, die schweren Milchkannen schleppen, verkaufen und die Kleinstbeträge bei Fuhrmann abrechnen. Dieser wiederum rechnete dann in der betriebseigenen Kapelle ab. Ob der Begriff Milchmädchenrechnung wegen der Kleinstbeträge aufgekommen ist oder vielmehr wegen der Abrechnungen durch ein Milchmädchen in Umlauf kam, sei nicht genau belegt so Bannasch. Dazu eine Fundstelle aus dem Internet: In einer Festschrift von 1961, zitiert nach einem Artikel im Internet, ist dazu festgehalten: „Ein Milchmädchen Namens Anna Schnasing half beim Austragen und Kassieren. Leider war sie sehr schlecht im Kopfrechnen, und jeden Abend fehlte bei ihr einiges in der Kasse. Enttäuscht ging sie für einen kurzen Urlaub nach Hause in den Spreewald. Als sie wieder ihre Arbeit aufnahm, war sie mit ihren Fingern so schnell beim Rechnen, dass sie keiner mehr reinlegen konnte. Ihre Rechnungen waren auf einmal alle richtig, aber keiner konnte es nachvollziehen, wie sie es machte. Erst ein Privatdozent, der zu ihren Stammkunden gehörte, kam langsam dahinter und schrieb als Mathematiker später darüber ein Bericht mit der Überschrift ‚Algebraische Fingerfertigkeiten‘.” Festschrift 1961 nach Internetauszug Geheim und merkwürdig Kurz vor seinem Tod wurde C. Bolle 1909 mit dem Titel Geheimer Kommerzienrat geehrt. Geheim bedeute im eigentlichen Sinne nicht, das darf niemand anderes wissen, so Bannasch, sondern eher im Sinne, etwas positiv aufbewahren, was auch die Zielstellung von Geheimgesellschaften sei. So werde heute auch der Begriff „merkwürdig“ eher negativ gesehen, heiße aber im eigentlichen Sinne, des Merkens würdig. Aus der anschließenden Gesprächsrunde Personentransport mit Bolle-Wagen In der an den Vortrag anschließenden Gesprächsrunde erwähnte Gudrun Haase einen Brief ihres Großonkels, der belegt, dass die Bolle-Wagen auch in Zossen Milch holten. Zu einer Zeit als Zossen noch nicht an die Eisenbahn angeschlossen war, wollte demnach ihr Großonkel mit seiner kleinen Schwester von Anhalter Bahnhof mit einem Bolle-Wagen nach Zossen mitfahren. Das Gepäck sei schon verladen gewesen, als die kleine Schwester nochmal musste. Schließlich fuhr der Bolle-Wagen ohne sie ab, da er überall auch pünktlich erscheinen musste, damit die Milch auch frisch auf den Berliner Markt kam. So mussten Großonkel und dessen Schwester sich zuFfuß auf den Weg machen. Dankeschön Karl-Heinz Bannasch, bis zum nächsten Jahr, Arbeitstitel: "Wie Berlin Großgemeinde wurde". Text und Farbfotos: Dr. Rainer Reinecke zurück zu Chronik
Foto Bolle Festschrift 1961 nach Internetauszug
F oto Bolle Festschrift 1961 nach Internetauszug
2019-01-26
2019-01-26 Mitgliederversammlung
Aus dem Bericht der Vereinsvorsitzenden Darüber berichtete Frau Karola Andrae in der MV am 26.01.2016: Auch 2018 fanden wieder vielfältige Veranstaltungen des Heimatvereins statt. Hier einige Höhepunkte: - Das Jahr begann wieder im Januar mit einem Vortrag von Herrn Karl-Heinz Bannasch aus Berlin. Dieses Mal zum thema: „Die Spandauer Kapitulation vor den Franzosen 1806 und die Rolle des Kommandanten Ernst-Ludwig von Benneckendorf“. - Regen Zulauf hatte der der Vortrag „Wie die Lüde ens in die Dörpere jered dem“ über die Teltower Mundart von Herrn Gerhard Glau aus Glienick. - Bei herrlichem Wetter (eine Woche verzögert), trafen sich etliche Mitglieder zum Krugputz. Das der Großputz auch in diesem Jahr bitter nötig war, spürten die Helfer beim Saubermachen. Beim anschließenden Imbiss wurde es dann auch noch recht gemütlich. - Am 10. März gab es dann den ersten Vortrag 2018 wieder im „Krug“ unter dem Thema „ Frauengeschichten: Friederike die Schwester der Königin Luise“ gehalten von Herr Stefan Rothen aus Rangsdorf - In der ersten neuen Ausstellung „leidenschaftlich zeichnen und malen“ mit Arbeiten von Herrn Dr. Hartmut Klucke wurden Ansichten aus der Region gezeigt. das Schulmuseum begann - Ab 15. März die neue umfangreiche Jahresausstellung „Ene mene Tintenfaß - geh in die Schul`und lerne was...“ im Schulmuseum - In der „kulturhistorischen Früh-Wanderung“, bei wieder tollem Wanderwetter, führte Klaus Voeckler am 5.Mai diesmal die Gäste vom Zossener Galgenberg zum Schöneicher Friedhof. Das Thema lautete: „Von der früheren Hinrichtungsstätte am Zossener Galgenberg zum Schöneicher Friedhof“. Eine Rast gab es zum Schluss mit den 21 Kulturinteressierten - Am 21.4. wurde in der Mitgliederversammlung der neue/alte Vorstand gewählt - Am 2. Juni war dann Herr Silvio Fischer mit dem Vortrag „Unterwegs im Heiligen Land Gegenwart und Geschichte“ unser Gast. - In einer Zwischenausstellung zeigten wir ab 30. Juni nicht nur für Cineasten Progress Filmplakaten aus mehreren Jahrzehnten aus dem Fundus des Vereins. - Am Tag des Offenen Denkmals 9. September, wurde die Ausstellung “ Von der Bürgerwut zur Umgehungsstraße im Zentrum von Zossen“ eröffnet. Wir präsentierten umfangreiches Bild- und Textmaterial zur Entstehung dieser kleinen Straße, die den Innenstadtverkehr wesentlich entschärft hat. - Zusätzlich hatten wir auch einen Stand zum Kreiserntefest in Schöneiche und konnten dort die ersten Kalender 2019 und etliche Bücher absetzen - Zum 30. September gab es dann wieder den Vereinsausflug nach Mittenwalde und die Schifffahrt in Teupitz. - Der letzte Vortrag war am 27. Oktober. Der Berliner Hobbyautor Wolfgang Richter las aus seinem Buch“ Kindheit mit Federhalter und Schulspeisung“ über seine Nachkriegskindheit in Westberlin. Bei vielen Textstellen wurde herzlich gelacht. - Im November machten wir noch eine Stadtführung mit der Wandergruppe von Frau Schmelzer in der Kernstadt Zossen - Das Schulmuseum zeigte dann wieder eine neue Sonderausstellung „Es weihnachtet schon“ rund um das Weihnachtsfest - der schon traditioneller Adventsabend wurde am 1. Dezember wieder ein schöner Abschluss des Jahres. Es gab wieder Beiträge durch die Vereinsmitglieder, über ihre Kindheitsweihnachten, einen außer Rand-und-Band gekommenen Weihnachtsbaumständer und eine Lesung aus der Chronik von Louis Günther - am 2. Adventswochenende hatten wir einen Stand bei Herrn Baranowski zum Zossener Weihnachtsmarkt den Herr Jakob federführend betreute Weitere Informationen finden sich in den Berichten der Museumsleiter - Museum "Alter Krug " und Schulmueseum. zurück zu Chronik
2019-01-26
2019-01-26 Die jüdisch-deutsche Familie Mosse
Christine Oliwkowski veranschaulichte in ihrem Vortrag zur jüdisch-deutschen Familie Mosse in Verbindung mit der Geschichte des Rittergutes Schenkendorf von der Kaiserzeit, Weimarer Republik, Faschismus, DDR bis zur Restitution wie eng Familiengeschichte mit der allgemeinen Geschichte verwoben ist. Christine Oliwkowski erforschte diesen Teil der Regionalgeschichte im Rahmen ihre Magisterarbeit und stellt die Ergebnisse in Ihrem Buch „Die Familie Mosse und das Rittergut Schenkendorf 1896-19962, ISBN 978-3-95410-204-4, vor. Familie Mosse erwarb eine erfolgreicher Verlegerfamilie aus Berlin in deren Besitz nicht nur Zeitungsverlage im In- und Ausland lagen, sondern auch eine Vielzahl innerstädtischer Immobilien, erwarb 1896 das Rittergut Schenkendorf. Obwohl dieses Gut auch eine Vorgeschichte hatte erlebt die Familie Mosse in ihrem Sommersitz Jahre für Kunst, Kultur und Wissenschaft bis 1933 die Nazis an die Macht kamen. Noch am Tag der Machtergreifung floh die Familie in die Schweiz und später in die USA. Wieder kamen so viele Interessierte in den Gemeindesaal, dass die Plätze an den Tischen nicht mehr ausreichten und zusätzliche Stuhlreihen aufgestellt werden mussten. Mit der Bodenreform nach 1945 wurde die Familie Mosse zum zweiten Mal enteignet. Das Rittergut wurde in Volkseigentum überführt. Im Gut wurde zunächst ein Kinderheim für im Krieg verwaiste Kinder eingerichtet, wurde dann als Jugendwerkhof für weibliche Jugendliche genutzt bevor es der Grenzpolizei und später den Grenztruppen der DDR als Kaserne und Diensthundeschule diente. Zu DDR-Zeiten wurde die Restitution verweigert. Im Rahmen der Restitution nach der Wende erhielten die Nachfahren ihre Besitztümer in Schenkendorf zurück. Der 1996 erfolgte Verkauf des Schlosses an Prinz Kretzulesco brachte nur kurzzeitig eine Wiederbelebung des Gutes. Als Schloss Dracula wurden hier unter anderem Ritterspiele und Blutspendenaktionen veranstaltet. 2009 wurde das Schloss von der Falstaf Vermögensverwaltung AG ersteigert. Seitdem ist das Schloss dem Verfall Preis gegeben. Über eine künftige Nutzung werden keine Auskünfte erteilt. Zum Abschluss der Veranstaltung signierte Christine Oliwkowski ihr Buch Die Fragen aus den Reihen der Besucher im Anschluss an den Vortrag zeigten, wie gut doch einige mit der Regionalgeschichte vertraut sind und auch die enge Verbindung zwischen Familien- und deutscher Geschichte nachvollziehen konnten. Text und Fotos: Dr. Rainer Reinecke zurück zu Chronik
Wieder kamen so viele Interessierte in den Gemeindesaal, dass die Plätze an den Tischen nicht mehr ausreichten und zusätzliche Stuhlreihen aufgestellt werden mussten.
Zum Abschluss der Veranstaltung signierte Christine Oliwkowski ihr Buch